Steffi Lemke im Gespräch mit Frithjof Schmidt

„Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlingen helfen“

img_6497Bei der Podiumsdiskussion mit Frithof Schmidt und Steffi Lemke am 9. November in den Franckeschen Stiftungen in Halle wurde das Publikum darüber aufgeklärt, aus welchen verschiedenen Gründen Menschen überhaupt flüchten, woher Geflüchtete kommen und welche Strecken Sie zurücklegen müssen. Die Routen sind voller Hindernisse und Gefahren, die oft mit Gefängnis, Folter und Tod enden. Zudem wurde versucht zusammen mit dem Publikum  Lösungsansätze gegen Fluchtursachen zu finden.

 

Anfangs wurde Thematisiert, warum überhaupt Menschen darauf kommen andere Menschen in winzigen Booten zu schmuggeln.
Als ein Beispiel wurde die Westsahara genannt. Dort bekommen einheimische Fischer keine Fanglizenzen mehr und können so nicht für ihren Lebensunterhalt sorgen.
Menschenschmuggel bietet dann eine Alternative und sie begeben sich auf die gefährliche Reise zu den Kanarischen Inseln. Da die Fischerboote gar nicht oder nur bedingt hochseetauglich sind, kommt es oft zu grausamen Funden mit teilweise schon mumifizierten Leichen.

Ein alternativer Fluchtweg ist die Sahara. Falls diese überlebt wurde, steht noch die Reise über das Mittelmeer bevor. Allein dieses Jahr sind über 5000 Menschen dort ertrunken.

Fluchtursachen – Wie konnte es zu einer derartigen Fluchtbewegung kommen?

„Die Europäer haben ihren Job nicht gemacht. Es war ihnen schlichtweg zu teuer.“ Frithjof Schmidt

Die Flüchtlingssituation, wie wir sie zur Zeit ist, kam nicht von jetzt auf gleich. Es ist das Resultat des Versagens der Westlichen Welt, besonders der Europäer. Erst wurde ganz Afrika von den Europäern Kolonialisiert und ausgebeutet, als das System zusammenbrach ließ man die Menschen einfach alleine. Auch bei der damaligen Gliederung des afrikanischen Kontinents wurden Grenzen mit dem Lineal auf der Landkarte gezogen – ungeachtet von sozialen, ethnischen und kulturellen Räumen. So konnte schwerlich kein stabiles politisches Gefüge entstehen. Die jetzigen Folgen sind das Ergebnis einer Politik des Nichtvorausdenkens und Wegsehen. Hinzu kommt die Mentalität, dass „wir“, die Europäer, den Afrikanern das Geld hinterher werfen. Obwohl die  Lösung des selbstverschuldeten Problems, unser im ureigenen Interesse sein sollte.

Jetzige Hilfen sind leider nur kurzfristige Linderungen, ein nachhaltiger Hilfsplan braucht mindestens 10 Jahre für eine Umsetzung, was angesichts der politischen Lage fast aussichtlos scheint.

Durch die Kriege in Tschad, Mali oder Somalia hatten die Menschen meist nur die Wahl zwischen Tod oder Flucht.

Hinzu kommen Kriege zwischen Jemen und Saudi-Arabien, im Irak, Afghanistan und in Syrien. Zudem konkurrieren Saudi-Arabien, der Iran und die Türkei seither und versuchen jeweils, ihre Vormachtstellung zu etablieren. Die Auseinandersetzungen sind teilweise religiös begründet, doch Frithjof Schmidt sieht dies nur als Vorwand zur Machtgewinnung. Inzwischen haben diese Konflikte eine eigene Dynamik entwickelt, die so schnell nicht zu kontrollieren ist.

Was ist die Lösung?

Die ideale Lösung wäre die Herstellung einer Staatlichkeit in allen Krisengebieten. Nur ist dieser Lösungsansatz fast utopisch. Wie sich aus des Diskussion mit dem Publikum ergab.

Fragen des Publikums:

Wie kann Staatlichkeit in Nahost hergestellt werden?

Ein gutes Beispiel für eine relativ einfache Lösung ist der Irak. Dieser droht sich dreizuteilen. In sunnitische (mit Bagdad ohne Öl), schiitische und kurdische Gebiete. Eine Aussöhnung unter den drei Volksgruppen wäre die Einzige Möglichkeit humanitäre Katastrophen zu verhindern.  Denn den Sunniten ständen ohne ökonomische Grundlage da.

Schwieriger wird es In Syrien schwieriger, da es viel kleinteiliger Aufgebaut ist und von vielen Volksgruppen und Stämmen bewohnt wird. Jedoch muss auch hier untereinander ein Konsens entstehen und gemeinsam ein Plan entwickelt werden. Dann ist international auch Hilfe möglich.

Frage: Wer ist „wir“? Wer soll helfen?

Das „wir“ ist über die vereinten Nationen noch vorhanden möglich und eine Hilfe möglich. Verhandlungen mit afrikanischen Staaten, um eine Migrationsagenda zu schaffen, wäre ein Anfang für eine erfolgreiche Zusammenarbeit und Zukunft.

Frage zu Syrien: Wie sehen Sie die Rolle Russlands im Syrienkrieg?

Russland hat durch Bomben und bodenangriffe Assad vom Verlierer zum Gewinner gemacht. Auch Flugzeugträger vor der Küste  führt zu Verdreifachung der Bombardierung.

Im Anschluss gab es noch im kleinen Kreis mit Steffi Gespräche zu Europa, CETA und Europapolitik