Urteil, aber keine Antwort im Fall Oury Jalloh

Vor fast acht Jahren, am 7. Januar 2005, starb Oury Jalloh, Asylbewerber aus Sierra Leone, bei einem Brand in einer Ausnüchterungszelle in Dessau-Roßlau. Der Todesfall warf Fragen auf, da der 21-Jährige in der Zelle angekettet war, das Feuer jedoch selbst entfacht haben soll. In erster Instanz wurden der damalige Dienstgruppenleiter und ein Kollege im Dezember 2008 freigesprochen, für den diensthabenden Polizisten hob der Bundesgerichtshof dieses Urteil aber im Januar 2010 auf. Heute sprach das Landgericht Magdeburg den Polizisten der fahrlässigen Tötung durch Unterlassen für schuldig. Das Gericht erklärte, der Angeklagte hätte für die Überwachung der Zelle Sorge tragen müssen. Er wurde zu einer Geldstrafe von 10.800 Euro verurteilt.

Steffi Lemke hält dieses Urteil für höchst unbefriedigend: „Es ist ein bitteres Ende eines unglaublichen Verfahrens. Was wirklich in der Zelle im Dessauer Polizeipräsidium passierte, bleibt weiterhin unklar. Dass nach 8 Jahren weiterhin so viele Fragezeichen bleiben, ist für die Freunde und Verwandten sicher kaum auszuhalten. Für die Polizei und die Politik kommt es darauf an, die Lehren aus diesem Verfahren zu ziehen und das verloren gegangene Vertrauen wieder zurückzugewinnen. Das wird ein langer und schwieriger Weg werden.“

U.a. der MDR, die Süddeutsche und die taz berichten über das Urteil.

Teile diesen Inhalt:

Artikel kommentieren

This blog is kept spam free by WP-SpamFree.

Bitte gib den folgenden Text ein * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

* Pflichtfeld