10 Jahre Bürgerinitiative „Pro Elbe“

 

Steffis Rede zum 10-jährigen Jubiläum der Bürgerinitiative ‚Pro Elbe‘ gehalten in der  Auferstehungskirche in Dessau:

 

Liebe UnterstützerInnen von Pro Elbe, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Gäste, liebe Iris, lieber Paul!

Ich freue mich, Euch bzw. Sie heute Abend hier begrüßen zu dürfen, damit wir gemeinsam das 10-jährige Bestehen der Bürgerinitiative ‚Pro Elbe‘ feiern können. In den allermeisten Fällen bedeuten Jubiläen von Bürgerinitiativen, dass sie noch existieren, dass sie ihr Ziel noch nicht erreicht haben. Das stimmt zwar auch in diesem Fall – aber gleichzeitig stimmt es auch ein Stück weit nicht.

Denn einiges wurde schon erreicht!

Wenn es euer langjähriges Engagement nicht gegeben hätte, wäre unsere Elbe heute eine andere: Denn ohne euren Widerstand wären die geplanten Ausbaumaßnahmen heute abgeschlossen.
Das würde bedeuten, dass die Elbe zwischen Coswig und Wörlitz weiter verengt und vertieft wäre und somit die Ufer noch mehr geschottert wären. Und das würde bedeuten, dass der Elbe-Saale-Kanal wahrscheinlich gerade in der Bauphase wäre.
Dies verhindert zu haben ist zu einem ganz großen Teil Euer Verdienst – und dafür danke ich Euch ganz herzlich.

 Ihr habt den Menschen an der Elbe ihren Fluss wieder näher gebracht!
Lasst Euch von Betonköpfen nichts anderes einreden – Euer Engagement nützt den Menschen und nützt der Region. Sie ist richtig, sie ist wichtig und ich wünsche Euch und uns noch viele erfolgreiche Jahre im Kampf für die Elbe!

Seit nunmehr 10 Jahren setzt ihr ( und ich kann glaube ich mit Stolz behaupten: wir setzen uns) für unseren Fluss ein. All eure Aktionen heute Abend aufzuzählen, würde eindeutig den Rahmen der Veranstaltung sprengen.

Ihr habt recherchiert, Euch informiert und vernetzt, um gemeinsam für die Elbe zu kämpfen: Ihr habt Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen für Veranstaltungen gewonnen. Ihr seid kilometerweit und bei fast jedem Wetter im Fluss geschwommen, um auf den Fluss aufmerksam zu machen. Und ihr habt Baustellen besetzt, Petitionen verfasst oder auch Beschwerdebriefe an die EU-Kommission und die UNESCO geschickt. Und wir haben mit der bundesweiten Aktion „Fackeln für die Elbe“ mehrmals ein Zeichen dafür gesetzt, dass wir die Zerstörung unserer Landschaft nicht ohne Widerstand hinnehmen werden

Es gab auch Preise – wenn auch zu wenige für Eure Arbeit: Für euer Engagement wurdet ihr bereits mit dem MUNA für Kommunikation geehrt, dem Umweltpreis des ZDF.
Und nicht zuletzt hat Ernst-Paul, ein Stück weit auch stellvertretend für Euch, den Euronatur-Preis erhalten. Er steht damit in einer – würdigen! – Reihe mit Michael Gorbatschow, Prinz Charles, Nelson Mandela … und das zu Recht und das auch Dank Euch! Ich freue mich, dass ich bei der Preisverleihung im letzten Jahr dabei sein durfte.

Iris Brunar, Sprecherin von "Pro Elbe", Cornelia Lüddemann Landessprecherin von Bündnis 90/Die Grünen Sachsen-Anhalt, Christoph Kaßner Kreisvorsitzender KV Dessau-Roßlau

Die Frage, warum sich die Bürgerinnen und Bürger, warum wir uns mit dieser Leidenschaft für die Elbe einsetzen, ist ganz klar zu beantworten: Die Flusslandschaft Elbe ist unsere Heimat, die Lebensader unserer Region und ein Erbe, dass es zu bewahren gilt. Nicht nur weil es für die Region ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor ist, sondern auch weil diese Landschaft ein wichtiger Teil unserer Identität ist, weil wir in der Verantwortung stehen, sie auch für zukünftige Generationen zu bewahren. Weil die Flusslandschaft Elbe nicht nur schön ist, sondern weil sie auch der Hort der Artenvielfalt in Deutschland ist. Hier leben noch Tiere und Pflanzen, die anderswo schon selten oder sogar schon ausgestorben sind.

Und als ein solch naturbelassener Ort ist sie auch wichtig für die Region- z.B. für den Radtourismus: Der Elberadweg ist vom Fahradklub ADFC bereits zum 6. Mal zum beliebtesten Fernradwanderweg gewählt. Umfragen bestätigen (vgl.: Studie des Tourismusverband Sächsische Schweiz, 2010), dass sich der Umsatz des Radtourismus innerhalb weniger Jahre mehr als verdoppelt hat. Tausende Arbeitsplätze wurden dadurch geschaffen, gerade Kleinunternehmer und Kleinunternehmerinnen vor Ort wie Pensionen oder Gaststätten profitieren direkt. Radwanderinnen und Radwanderer kommen in erster Linie wegen der Natur hierher, und nicht zuletzt auch wegen der Kulturlandschaft, die an der Elbe aufs engste mit der Natur verflochten ist, wie z.B: das UNESCO Welterbe Dessau-Wörlitzer Gartenreich.

Aber: längst nicht alle sehen diese Potentiale so wie Ihr!

Das vom Bundesverkehrsministerium gesetzte Primat der Güterschifffahrt gefährdet die Erreichung dieser Ziele. Egal welche Kosten die Vorhaltung der Wasserstraße Elbe verursacht, egal wie wenig transportiert wird. Die Auswirkungen auf die Umwelt der seit Jahren andauernden Schotterungen wird nicht öffentlich nachvollziehbar überprüft.
Und nur tröpfchenweise erfahren Bürger und Bürgerinnen, dass ihre Befürchtungen über die Bedrohung von UNESCO-Biosphärenreservat und UNESCO Dessau-Wörlitzer Gartenreich durch die kontinuierliche Eintiefung der Elbe berechtigt waren.
Dass jetzt aus Kostengründen Verkehrsminister Ramsauer beginnt, die Behörde Wasser- und Schiffahrtsverwaltung und ihr Wasserstraßennetz in ihrer Sinnhaftigkeit und ihrem Umfang zu überprüfen ist ein wichtiger Schritt. ABER: Er steht erst auf dem Papier und die Lobbys haben längst ihre Zelte vorm Verkehrsministerium aufgeschlagen.

Hier heißt es dran bleiben und weiterkämpfen!

Die WSD ist ein antiquierter und aufgeblasener Apparat! 2 Beamte pro Flusskilometer – so gut würde man sich den Betreuungsschlüssel in Schulen und Kindergärten wünschen!

Wir bleiben dran! An Elbe und Saale und den Menschen, die hier leben, kann aber keiner so einfach vorbei. Die Flüsse sind in den Medien –  das ist ein Erfolg des Widerstands vor Ort. Auch in Berlin hinterlässt der Protest an der Elbe Spuren.

Ihr habt starke Gegner: Die Baulobby und  – als eine große und einflussreiche Behörde – die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung. Die Ausbaubefürworter halten an ihren Forderungen fest – egal wie sinnlos sie für die Allgemeinheit sind. Die Märchen von 1,60 m Schiffbarkeit wurden uns lange erzählt. Und obwohl die Frist, die immer genannt wurde, längst verstrichen ist (2010), wird das Märchen weiter erzählt.
Es ist ein bisschen ein Kampf David gegen Goliath – aber heute und hier feiert David. Und wir alle wissen, wie die Geschichte ausgegangen ist.

Aber wir haben nicht nicht nur eine moralische Verpflichtung für die Elbe, so wie sie jetzt ist, zu kämpfen, sondern darüber hinaus auch eine gesetzliche. Nach dem Landesgesetz, dem Grundgesetz und den EU-Gesetzen sind wir verpflichtet unsere Lebensgrundlagen zu bewahren und zu schützen. Diese Verantwortung haben die Bürger von PRO ELBE erkannt und nehmen sie wahr.

Eure Aufgabe ist noch nicht erledigt. Ihr kämpft und steht für die Interessen der Elbe, und die müsst ihr auch noch weiterhin vertreten…

(Es gilt das gesprochene Wort)

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