Vogeljagd in Schutzgebieten weiterhin erlaubt

Foto: David Clode / Unsplash

Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer ist Teil des UNESCO-Weltnaturerbes Wattenmeer und ein bedeutender Lebensraum für zahlreiche Arten. Vor allem für Zugvogelarten wie Ringelgans, Kiebitzregenpfeifer und Alpenstrandläufer ist dieses geschützte Gebiet existentiell. Hier finden sie störungsfreie Rastplätze und ausreichend Nahrung, um die Reise bis ins südliche Afrika zu bewältigen.

Im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer werden auf einigen der bewohnten Inseln Pachtverträge für die Jagd von Kaninchen oder Waldschnepfen vergeben, letztere vor allem beliebt zur Trophäenjagd. Selbst in den Ruhezonen ist eine Bejagung von Wasservögeln an 10 Tagen pro Jahr erlaubt. Problematisch für Zugvögel, unabhängig vom Schutzstatus, sind Jagdaktivitäten an sich, die Störungen in den Ruhezonen verursachen. Die Nationalparkverwaltung fordert insbesondere den Einsatz von Jagdhunden und Falken einzuschränken.

Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium hat jedoch im Sommer 2018 die Pachtverträge von Jagdbezirken kurzerhand verlängert. Das Umweltministerium und die Nationalparkverwaltung hingegen hatten ein Auslaufen der Pachtverträge angestrebt.

Steffi Lemke: „Die Erteilung der Pachtverträge befindet sich im Widerspruch mit den Zielen eines Nationalparks, insbesondere mit denen des Weltnaturerbes. Die Zugvögel benötigen angesichts der Bedrohung auch durch weitere Faktoren, wie Plastik und Lichtverschmutzung einen umfassenden Schutz. Fatal ist auch die Symbolwirkung auf internationaler Ebene: Deutschland setzt sich international für Jagdverbote entlang der ostatlantischen Flugroute ein. Im eigenen Land setzt sie diese jedoch nicht durch. Die Bundesregierung darf sich nicht länger auf Nicht-Zuständigkeit in dieser Angelegenheit berufen, wenn sie ihrer Aussage, sich in großer internationaler Verantwortung für den Schutz der Zugvogelpopulation zu sehen, gerecht werden will.“

In der Antwort des Bundesumweltministeriums auf die Kleine Anfrage heißt es, dass angestrebt wird, mit den Partnern der Trilateralen Wattenmeerzusammenarbeit die bestehenden Jagdaktivitäten schrittweise einzustellen. Anscheinend gibt es dafür jedoch keinen konkreten Fahrplan. Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium hätte sonst eine Verlängerung der Pachtverträge wohl nicht durchsetzen können.

Das Bundesumweltministerium weicht einer klaren Positionierung mit Verweis auf Landeszuständigkeit aus. Zuständig ist es aber im Hinblick auf die vom BMU finanzierte Flyway Initiative. Gemeinsam mit Dänemark und den Niederlanden soll in diesem Rahmen der Schutz von Zugvögeln entlang der gesamten Flugroute in den Süden erreicht werden.

Zum Vorgang der Verlängerung der Pachtverträge und dem daraus resultierenden Streit zwischen den niedersächsischen Ressorts berichtete unter anderem die Osnabrücker Zeitung.

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