Deutscher Bundestag mit starkem Zeichen für den internationalen Meeresschutz

Die Sitzungswoche in Berlin schließt mit einem tollen Erfolg für den Internationalen Meeresschutz. Im Weddellmeer der Antarktis soll in diesem Herbst das größte Meeresschutzgebiet der Erde entstehen. Deutschland hat gemeinsam mit der Europäischen Union bei der Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis (CCAMLR) einen Antrag für ein entsprechendes Schutzgebiet eingereicht. Doch der Widerstand einiger Fischereinationen verkompliziert den Abschluss der Verhandlungen zunehmend. Der Druck auf die Europäische Union etwaigen Kompromissen gegen die Interessen des Naturschutzes zuzustimmen bedroht einen wirksamen Schutz des Weddellmeeres.

Aus diesem Grund haben die Parlamentarier*innen von Bündnis 90/Die Grünen, Linken, SPD, FDP und Union einen gemeinsamen Antrag erarbeitet, um das Mandat der Bundesregierung im Sinne des Naturschutzes zu stärken und die Bundesregierung aufzufordern, alle möglichen Hebel in Gang zu setzen, um den Abschluss des Meeresschutzgebietes in diesem Herbst zu erzielen.

Die Idee zu einem solchen interfraktionellen Antrag entstand während einer parlamentarischen Veranstaltung mit Greenpeace im Februar 2018, zu dem Steffi Lemke die Schirmherrschaft übernommen hatte. Von Greenpeace war neben der angesehene Meeresbodenforscherin Susanne Lockhard (University of California) auch der Schauspieler Javier Bardem (bekannt aus Fluch der Karibik und James Bond) eingeladen. Bardem ist Botschafter für die Antarktis-Kampagne von Greenpeace und war gemeinsam mit den Aktivist*innen von Greenpeace selbst vor Ort im Weddellmeer. Von seinem Tauchgang mit dem Greenpeace Forschungs U-Boot gibt es beeindruckende Bilder der einzigartigen Natur am Tiefseeboden des Weddellmeeres. Diese Bilder hatten einen bleibenden Nachdruck bei Steffi Lemke und den MdBs aus den anderen Fraktionen hinterlassen. Die Idee des fraktionellen Antrages war geboren.

Die Verhandlungen über den Inhalt des Antrages wurden in der Folge intensiv geführt und wenn auch nicht alle grünen Forderungen des ersten Entwurfes in die finale Version geschafft haben, so ist es trotzdem ein herausragender Antrag für den internationalen Meeresschutz geworden.

 

Die wichtigsten Punkte im Überblick:

  • Die Weltgemeinschaft hat sich im Rahmen von internationalen Abkommen dem Schutz der Meere und seiner Biodiversität verpflichtet. 10% der Meeresfläche der Weltmeere müssen bis 2020 geschützt sein. Ein Abschluss des Schutzgebietes im Weddellmeer wäre ein historischer Schritt zur Erreichung dieses Ziel.
  • Der Bundestag geht nun sogar noch einen Schritt weiter und fordert in unserem Antrag 30% der Meeresfläche bis 2030 unter Schutz zu stellen.
  • Der Antrag erkennt Meeresschutzgebiete als eines der wichtigsten Instrumente um die marinen Ökosysteme zu erhalten und ihre Resilienz und Anpassungsfähigkeit gegenüber Übernutzung, Klimawandel und Raubbau zu verbessern an und will weitere Habitatzerstörung insbesondere in der Antarktis verhindern.
  • Die Bundesregierung wird aufgefordert sich über alle zur Verfügung stehenden diplomatischen und anderen Kanäle und Möglichkeiten für eine bald mögliche Annahme des Weddellmeer Meeresschutzgebiet einzusetzen.
  • Zentral ist auch die Forderung nach einem ausreichendem Schutzgebietsmanagement und der Einrichtung von Nullnutzungszonen im Weddellmeer. Nur so kann ein ausreichender Schutz vor wirtschaftlicher Ausbeutung gesichert werden.

Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, wie ernst die Bundesregierung dieses starke Mandat nimmt und wie entschieden sie in den internationalen Verhandlungen u.a. mit Norwegen, Russland und China auftreten wird. Im Herbst 2018 wird es eine Entscheidung geben.

Die Rede von Steffi Lemke im Plenum des Deutschen Bundestages gibt es HIER

Den interfraktionellen Antrag „Meeresschutzgebiet im Weddellmeer der Antarktis“ gibt es HIER 

Teile diesen Inhalt: