Landdegradation: IPBES befürchtet bis zu 700 Millionen Menschen verlieren ihre Heimat

Der heute präsentierte Bericht des Weltbiodiversitätsrat (IPBES) zu den Gefahren von Landdegradation basiert auf der Arbeit von über 100 internationalen Wissenschaftlern und mehreren Hundert Gutachtern. In Kolumbien beim jährlichen Treffen des IPBES wurde der Bericht im Plenum von den Mitgliedsstaaten des IPBES (zu denen auch Deutschland gehört) angenommen. Degradiertes Land wird dabei als Zustand verstanden, der aus dem Verlust von Biodiversität und Ökosystemfunktionen resultiert und sich auf natürliche Weise nicht wiederherstellen kann.

Zu den wichtigsten Erkenntnissen des Berichtes gehören folgende Punkte:

  • Landdegradierung durch menschliche Aktivitäten treibt den Planeten in Richtung eines sechsten Massensterbens.
  • Schon heute leiden 40% der Weltbevölkerung (3.2 Milliarden Menschen) durch Landdegradation, ihre Lebensgrundlagen werden bedroht.
  • Die jährlichen Kosten von Landdegradation werden auf 10% des globalen Bruttoinlandproduktes geschätzt.
  • Über die Hälfte der Feuchtgebiete sind weltweit seit Beginn des 20. Jahrhunderts verloren gegangen.
  • Mehr als ein Drittel der Landfläche unserer Erde wird als Acker- und Weideland genutzt. Typischerweise werden artenreiche Wälder, Wiesen und Feuchtgebiete besonders häufig zu landwirtschaftlichen Flächen umgewandelt.
  • Landdegradierung, Biodiversitätsverlust und Klimakrise sind zentral miteinander verbunden. Diese Aufgaben können von der Menschheit nur gemeinsam gelöst werden.
  • Im Jahr 2050 werden ca. 4 Milliarden Menschen in Trockengebieten Leben. Landdegradierung und Klimaerhitzung führen in der Kombination zu einer globalen Migrationsbewegung. Die Forscher des IPBES gehen von 50-700 Millionen Menschen aus. Eine Zunahme von gewaltsamen Konflikte würde demnach eine weitere Konsequenz darstellen.
  • Die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen hängt fundamental davon ab, ob die Weltgemeinschaft Landdegradation stoppen kann oder nicht.

Zum heute vom Weltbiodiversitätsrat IPBES in Kolumbien veröffentlichten Bericht über weltweiten Verlust von gesunden Böden und Landdegradation erklärt Steffi Lemke, Sprecherin für Naturschutz:

„Die heute vom Weltbiodiversitätsrat präsentierten Ergebnisse sind ein weiterer alarmierender Ausdruck der Untätigkeit der Staatengemeinschaft beim Natur-, Umwelt- und Klimaschutz. Der Bericht offenbart: schon heute leiden 40% der Weltbevölkerung unter den Konsequenzen von Landdegradation und im Jahr 2050 drohen 50-700 Millionen Menschen durch den Verlust von gesundem Land ihre Heimat zu verlieren. Haupttreiber bleibt neben der Klimakrise, die industrielle Landwirtschaft mit ihrem Flächenfraß, Monokulturen und Ackergiften wie Glyphosat und Neonikotinoiden.

Es ist absolut fahrlässig, wie die Staatengemeinschaft die Gesundheit unserer Böden, Wälder und Gewässer – ganzer Ökosysteme – den kurzfristigen Interessen unseres Wirtschafts- und Konsumverhaltens opfert. Laut Weltbiodiversitätsrat drohen jetzt sogar die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen unerreichbar zu werden, wenn wir nicht endlich einlenken und unsere globalen Ziele mit wirksamen Maßnahmen unterstützen – diese nicht dauerhaft durch verfehlte Politik torpedieren. In der Europäischen Union ergibt sich mit der Neuverhandlung der Gemeinsamen Agrarpolitik aktuell eine unmittelbare Möglichkeit Böden in Europa zu schützen und eine Agrarwende einzuleiten. Öffentliche Gelder darf es zukünftig ausschließlich für öffentliche Leistungen geben. Umweltschädliche Subventionen sind zu 100% abzuschaffen“.

Hier der Originalbericht in Englisch zum Download

Der Weltbiodiversitätsrat bietet auf seiner Website eine Zusammenfassung des Berichtes an.

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