Weltbiodiversitätsrat: Artenreichtum der Erde schwindet

Zu den heute vom Weltbiodiversitätsrat IPBES in Kolumbien veröffentlichten Berichten zum Verlust von Biodiversität und ihrer Bedeutung für die Menschen erklärt Steffi Lemke, Sprecherin für Naturschutz:

„Dies muss ein Weckruf an die Weltgemeinschaft sein. Auch von höchster Stelle, vom Weltbiodiversitätsrat, ist bestätigt, dass die Artenvielfalt unserer Erde schwindet und welche gravierenden Gefahren damit einhergehen. Der Bericht macht klar, schreitet das Artensterben weiter voran, kann unsere Natur nicht mehr für saubere Luft, gesundes Wasser und Klimaregulierung sorgen. Der Verlust der Biodiversität ist eine der globalen Krisen und hat mit seinem katastrophalen Ausmaß längst die Grenze der Belastbarkeit unserer Erde überschritten.

Der Weltrat zur Biodiversität, analog zum Weltklimarat, gibt der Politik enorm wichtige Impulse und muss nun eine ähnliche Durchschlagkraft entfalten. Die Weltgemeinschaft und die Bundesregierung müssen die Ergebnisse des Rates ernst nehmen und in konkretes Handeln umsetzen. Nun darf es keine Ausreden mehr geben.

Zentrale Aufgabe der neuen Bundesregierung muss sein, das Artensterben in Deutschland – allen voran das Vogel- und Insektensterben – zu stoppen. Sie muss handeln, bevor der Frühling verstummt und Felder und Wälder leer sind. Einzelmaßnahmen zum Monitoring werden nicht ausreichen, um das Artensterben bis 2020, wie sich Deutschland vielfach international verpflichtet hat, zu stoppen. Wir brauchen eine Trendwende im Artenschutz, die denen größten Verursachern des Artensterbens Einhalt gebietet. Für den Erhalt unserer Artenvielfalt braucht es zuallererst eine Agrarwende und einen Ausstieg aus Ackergiften wie Glyphosat und Neonikotinoiden.“  

Der Weltbiodiversitätsrat IPBES und die Vollversammlung in Kolumbien

Um die biologische Vielfalt weltweit ist es schlecht bestellt. Die Trends auf globaler, nationaler und lokaler Ebene sind eindeutig: wir verlieren immer mehr Tier- und Pflanzenarten sowie Ökosysteme und ihre Leistungen. Die Weltgemeinschaft hat sich verpflichtet das Artensterben bis 2020 zu stoppen und den Trend umzukehren. Analog zum Weltklimarat wurde so 2012 der Weltbiodiversitätsrat, Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services (IPBES), gegründet. Hier treffen sich Vertreter der Mitgliedsstaaten, der Wissenschaft und Verbände in einem unabhängigem, zwischenstaatlichen Gremium, um eine Grundlage zur wissenschaftlichen Politikberatung zu legen. Hauptaufgabe besteht in der Zusammenstellung von Berichten zu den Themen Biodiversität und Ökosysteme.

2016 zeigte der Weltrat für biologische Vielfalt in seinem UN-Bericht schwarz auf weiß, welche Gefahr vom Aussterben der Bestäuber, insbesondere der Wildbienen, ausgeht. Nun beschloss die Vollversammlung in Kolumbien Berichte zum Wissensstand über die Ökosysteme und deren Bedeutung für das Wohlergehen der Menschen. Ein weiterer Bericht zur Landdegradation steht noch aus.

Der Bericht stellt fest, dass die Bedeutung der Natur für die Menschen durch die Ökosystemdienstleitungen wie sauberes Wasser und gesunde Luft sowie ihre Bedeutung für die Klimaregulierung immens sind. Doch die Natur und ihre wertvollen Leistungen sind bedroht – durch den Verlust der Biodiversität. Der Weltbiodiversitätsrat betont weiterhin, dass Europa und Zentralasien massiv auf den Import natürlicher Ressourcen angewiesen sind – jährlich die Ernte einer Fläche in der Größe Deutschlands.

Der Reichtum unserer biologischen Vielfalt ist bedroht, hier gibt es in Europa und Zentralasien einen stetigen starken Abwärtstrend. Viele Ökosysteme wurden zerstört, die Fläche von Feuchtgebiete hat sich seit 1970 halbiert und von allen nur in Europa und Zentralasien lebenden Tieren sind knapp 30% bedroht. Der Bericht sieht die Ursachen in der Änderung der Landnutzung, insbesondere in der Landwirtschaft. Auch die Klimakrise vernichtet Biodiversität und die Fähigkeit der Natur für wichtige Ökosystemdienstleistungen.

Angesichts dieser Trends werden die weltweiten Nachhaltigkeitsziele und das Ziel, das Artensterben bis 2020 zu stoppen, nicht erreicht werden können. Der Bericht fordert verstärktes Engagement, um den Verursachern des Artensterbens entgegenzuwirken und eine bessere Vernetzung der Maßnahmen.

Mehr Infos: https://www.ipbes.net/ und http://www.biodiversity.de/

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