Glyphosat: Gartengift außer Kontrolle

Nachdem die meisten Baumärkte und Gartencenter Glyphosat-Produkte für den Privatgebrauch inzwischen aus ihren Regalen verbannt haben, sind Onlineshops ein wichtiger Umschlagplatz für den Pflanzenvernichter geworden. Dabei hält sich fast niemand an die Vorschriften, wie jetzt eine stichprobenartige Untersuchung im Auftrag der grünen Bundestagsfraktion ergeben hat. 

Da es Produkte wie Roundup und Co inzwischen kaum noch in Baumärkten gibt, ist der Online-Handel inzwischen ein bedeutsamer Markt für den Kauf von Glyphosatprodukten geworden. Das birgt die Gefahr, dass es noch unkontrollierter abläuft und dass die vorgeschriebene Beratung noch weniger stattfindet als im Ladenverkauf. Im Untersuchungszeitraum vom 13.-21.12.2017 wurde versucht, 54 verschiedene Mittel, die Glpyhosat als Wirkstoff beinhalten, auf insgesamt 34 Online-Plattformen zu erwerben. Vor dem Hintergrund von möglichen Überdosierungen und Fehlanwendungen im Haus- und Kleingartenbereich ist eine sachkundige Beratung zu den Anwendungsbestimmungen und -ausschlüssen obligatorisch und gesetzlich vorgeschrieben. Doch eine solche Beratung im Onlineverkauf findet bei 33 von 34 untersuchten Onlineshops nicht bzw. nicht in hinreichender Form statt. Hier sind die Mängel je nach Angebot sehr individuell. In der Regel werden hier keine Hinweise, die über die allgemeine rechtliche Belehrung im Beschreibungstext hinausgehen, bereitgestellt. Außerdem wird die aktive Kenntnisnahme in der Regel nicht eingefordert. Lediglich bei einem von den 34 untersuchten Onlineshops werden Informationen wie vorgeschrieben bereitgestellt. Hier werden Kunden sehr übersichtlich und umfassend informiert. Ergänzend wurden drei Mittel stichprobenartig in Onlineshops gesucht, die nicht mehr für die Verwendung in Haus- und Kleingärten zugelassen sind. Doch zwei dieser drei Mittel sind in insgesamt drei Onlineshops erhältlich. Immerhin wurde hier bei drei Angeboten der Sachkundenachweis des Käufers angefordert. Allerdings wurde auch in zwei Fällen dieser gesetzlichen Vorschrift nicht genügt – beide Male in Ebay-Shops. Das ist besonders kritisch, da hier die Mittel sowohl keine Zulassung für Privatanwender mehr haben, als auch nicht die vorgeschriebene Informationsbereitstellung erfolgte.

Die Ergebnisse zeigen: Nachdem fast alle Baumärkte Glyphosat aus dem Sortiment genommen haben, entwickelt sich das Internet zur Handelsdrehscheibe für das Pflanzengift. Das ist besonders problematisch, denn hier findet die notwendige Beratung zur Anwendung praktisch nicht statt. Denn Glyphosat greift so massiv in Ökosysteme ein und steht im Verdacht krebserregend zu sein. Es kann nicht sein, dass dieses Pflanzengift ohne Beratung und Sachkundenachweises verkauft wird. Der gesetzliche Rahmen in Sachen Pflanzenschutz funktioniert unzureichend. Denn der Onlinehandel wird nicht überwacht, die vorgeschriebene sachkundige Beratung findet nicht statt.

Untersuchung „Glyphosat im Online-Handel“ der grünen Bundestagsfraktion (Download-Link zum PDF)

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