Versenkte Chance für die Meere: vorerst keine Einigung für die Abschaffung von Fischereisubventionen

Nach der großen Ozeankonferenz der Vereinten Nationen im Sommer, ist die erste echte Nagelprobe zur Erreichung des SDG14 kläglich gescheitert. Die Welthandelsorganisation konnte sich auf ihrer 11. Ministerkonferenz nicht auf die Abschaffung von Fischereisubventionen einigen. Damit geht die staatliche Förderung von Überfischung und selbst illegaler Fischerei ungehindert weiter. Die Staatengemeinschaft versenkt damit eine große Chance, denn die Überfischung und illegale Fischerei gehören zu den drängendsten Problemen unserer Weltmeere.

Auch in der Europäischen Union tragen Fördermaßnahmen des Europäischen Meeres- und Fischereifond (EMFF) weiterhin dazu bei das die Überfischung staatlich gefördert wird. Es ist absurd das in einigen Staaten der EU (zum Beispiel auch in Deutschland) die Subventionen, den Wert gefangener Fische übertreffen – und das trotz ihrer ökologisch zerstörerischen Auswirkungen. Auch die Bundesregierung unterstützt ökologisch fragwürdige Aquakultur und befreit die Binnenfischerei weiterhin von einer Dieselsteuer. Nach der Bildung einer neuen Bundesregierung muss endlich im Sinne des Meeresschutzes gehandelt werden und die Umsetzung des SDG14 auch auf nationaler und europäischer Ebene vorangetrieben werden. 

Hintergrund

Der Zustand unserer Meere ist alarmierend. Sie sind überhitzt, überfischt und vermüllt. Sie leiden unter Eutrophierung, Versauerung, dem Meeresspiegelanstieg und an Habitatzerstörung. 90% unserer Weltmeere sind entweder überfischt oder werden bis an ihre maximale Grenze befischt – mit katastrophalen ökologischen und sozialen Konsequenzen. Dazu kommt sogenannte illegale, unregulierte und undokumentierte (IUU) Fischerei. Dabei werden Fische mit unerlaubten Fanggerät, zu Sperrzeiten oder in Schutzgebieten gefangen. IUU Fischerei fehlen Lizenzen oder es wird mehr Fisch gefangen als erlaubt. Ein Drittel des globalen Fischfangs ist aus IUU Fischerei.

Auch Aquakultur ist ein Treiber der weltweiten Überfischung und Zerstörung der marinen Ökosysteme. Dem Umweltbundesamt zu Folge werden beispielweise für einen Kilo Lachs oder Kabeljau aus Aquakultur, bis zu vier Kilo wild gefangener Fisch verfüttert.

Die WTO verhandelt schon seit Aufnahme der Doha Development Round im Jahr 2001 über die Abschaffung der Fischereisubventionen. Aufgrund der global katastrophalen Entwicklung der Fischbestände und der im Sommer stattgefundenen SDG14 Konferenz der Vereinten Nationen, hatten die Verhandlungen neuen Schwung aufgenommen. Das SDG14 formuliert eine Abschaffung der schädlichen Fischereisubventionen bis spätestens zum Jahr 2020. Durch das klägliche Scheitern der aktuellen Verhandlungsrunde ist eine Einigung nicht vor der nächsten WTO-Ministerkonferenz im Jahr 2019 zu erwarten. Eine nationale Umsetzung bis zum Jahr 2020 ist damit in weite Ferne gerückt.

Mehr Informationen:

Auch der Meeresatlas der Heinrich-Böll-Stiftung widmet sich in einem Kapitel der Überfischung unserer Weltmeere. Dort ist auch eine Übersicht zur Höhe von europäischen Fischereisubventionen zu finden.

https://www.boell.de/de/2017/05/10/fisch-bald-ausverkauft?dimension1=ds_meeresatlas

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