Das Ende vom Summen und Brummen – Insektensterben

Noch vor 20, 30 Jahren war im Sommer nach einer längeren Autofahrt die Windschutzscheibe voller Insekten. Heute ist das nicht mehr so. Es ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie dramatisch sich die Zahl der Insekten in den letzten Jahrzehnten reduziert hat. In der parlamentarischen Arbeit von Steffi Lemke spielt das Thema eine wichtige Rolle.

 

 

 

 

Die grüne Bundestagsabgeordnete hat nachgefragt, wie es um die Insekten in Deutschland bestellt ist (Insekten in Deutschland und Auswirkungen ihres Rückgangs). Die Antworten zeigen, dass an einzelnen Versuchsstandorten dramatische Rückgänge der Insektenbiomasse zu verzeichnen sind – vom Jahr 1982 2017 um bis zu 80%. Die Bundesregierung erwartet auch in Zukunft keine Verbesserung der Entwicklung. 

Doch Insekten sind die artenreichste Gruppe an Organismen und machen 70% aller Tierarten in Deutschland aus. Meinst ungesehen und unbekannt leisten sie wertvolle Arbeit: Bodenlebewesen, wie Regenwürmer, tragen dazu bei, unsere Böden fruchtbar zu halten oder vor Degradation zu schützen. Bienen, Wildbienen, Schmetterlinge sind zuständig für die Bestäubung von Pflanzen. Vier Fünftel der bei uns heimischen Nutz- und Wildpflanzen sind auf ihre Arbeit angewiesen. Weitere wirbellose Tiere sind als Nützlinge wichtig für die Schädlingsbekämpfung und die Förderung von Nährstoffkreisläufen innerhalb der Ökosysteme. Laut Weltnaturschutzunion sind weltweit ca. 18 000 wirbellose Arten vom Aussterben bedroht. Auch Deutschland ist betroffen, wie eine Kleine Anfrage von Steffi Lemke zeigt: Rückgang von Bestäuber-Insekten, insbesondere Wildbienen in Deutschland.

 

Unsere Artenvielfalt ist also wie ein Netz. Mit jedem Teil, das verschwindet, wird die Stabilität und Tragfähigkeit dieses Netzes geschwächt, bis es zerreißt. Die planetaren Grenzen sind beim Artensterben bereits weit überschritten. Ohne Insekten haben Vögel kein Futter und so dezimieren sich auch ihre Bestände schon jetzt (Kleine Anfrage Stummer Frühling – Verlust von Vogelarten). Demnach ist in der EU die Zahl der Brutpaare in landwirtschaftlichen Gebieten zwischen 1980 und 2010 um 300 Millionen Tiere zurückgegangen. Das ist ein Minus von 57 Prozent. In Deutschland nahm der Bestand der Feldlerche zwischen 1990 und 2013 um 35 Prozent ab, das ist noch wenig im Vergleich zum Kiebitz, dessen Zahl um 80 Prozent einbrach, oder zu den Rebhühnern, die um 84 Prozent zurückgingen. Am meisten betroffen sind die Vögel in Agrarlandschaften.

Die industrialisierte Landwirtschaft macht den Insekten und Vögeln am Meisten zu schaffen – durch Zerstörung von Lebensräumen und Intensivierung der Landwirtschaft. Dazu kommen Pestizide, die massenhaft auf die Felder gespritzt werden. Ihre Menge ist in den letzten 20 Jahren um rund 65 Prozent gestiegen, die eingesetzte Wirkstoffmenge stieg von 1994 bis 2015 von etwa 30.000 Tonnen auf über 48.000 Tonnen an. Die Ackergifte treffen nicht nur die Lebewesen, gegen die sie eingesetzt werden. Sie vernichten sowohl Wildkräuter als auch Insekten. Ackerwildkräutern nahmen seit 1950/60 um 71 Prozent ab. Damit schwinden auch die Insekten, und für Vögel verringert sich die Nahrungsgrundlage.

 

Es dringend daher erforderlich, in der Agrarpolitik drastisch umzusteuern. Wir GRÜNE setzen uns dafür ein, dass Gelder aus öffentlichen Kassen nur noch für öffentliche Leistungen der Landwirtschaft verwendet werden: Wir brauchen mehr Ökolandbau, eine ambitionierte Politik, um Pestizideinsatz drastisch herunterzufahren und einen effektiven Schutz für das Grünland.

Die grüne Bundestagsfraktion widmet sich diesen Themen auf vielfältige Weise:

Im März 2017 veranstaltete sie ein gut besuchtes Fachgespräch zum Thema Insektensterben und gab eine Studie zum Rückgang von Schmetterlingen in Auftrag. Ebenfalls tagte der Umweltausschuss des Deutschen Bundestages in einer öffentlichen Anhörung dazu.

Eine Auswahl unserer parlamentarischen Initiativen:

Kleine Anfrage: Rückgang von Bestäuber-Insekten, insbesondere Wildbienen (02/2016)

Kleine Anfrage: Stummer Frühling – Verlust von Vogelarten (05/2016)

Kleine Anfrage: Verlust von Artenreichtum in der Agrarlandschaft (09/2017)

Kleine Anfrage: Situation der Vögel in Deutschland (04/2015)

Kleine Anfrage: Folgen aus der Gefährdung von Bestäubern und der Umwelt durch Neonikotinoide und andere Pestizidwirkstoffe (10/2015) 

Antrag: Pestizide reduzieren (01/2016)

Antrag: Landwirtschaft braucht Zukunft (01/2017) 

Antrag: Bienen und andere Insekten vor Neonicotinoiden schützen (03/2013) 

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