In den Städten geht es Honigbienen besser als auf dem Land

pablo_honigbieneDie Forschung, ob es den Honig-Bienen in der Stadt und in stadtnahen Gebieten besser geht, steht erst am Anfang. Doch zeigen erste Forschungsergebnisse, die in einer Auftragsstudie der grünen Bundestagsfraktion zusammengefasst werden, einen Trend: Eine vergleichende Gegenüberstellung der Standorte „Stadt“ und „Land“ ergibt für die Gesundheit der Honigbiene die „Stadt“ als geeigneteren Standort. Zwei Gründe sind hier maßgeblich: Das abwechslungsreiche und kontinuierliche Blütenangebot in der Stadt und stadtnahen Gebieten, als auch der deutlich verminderte Pestizideinsatz.

Die intensive Landwirtschaft wirkt sich auf vielfältige Weise negativ auf das Leben der Bienen aus. Großflächige Monokulturen schränken die Biene bei ihren rund vier Kilometer großen Radius während der Nahrungssuche ein. Streifen mit blühenden Büschen und Bäumen wurden in den letzten Jahrzehnten immer stärker auf Kosten noch größerer Felder zurück gedrängt. Eine starke Düngung der Wiesen mit Gülle hat zu einem Rückgang von Wildblumen geführt. Auch bieten Pollen und Nektar in landwirtschaftlichen genutzten Gebieten oftmals keine gleichmäßige qualitativ und quantitativ hochwertige Nahrungsgrundlage. Wenn Raps und Sonnenblumen auf den Feldern blühen, ist das Nahrungsangebot für die Bienen ausreichend. Diese Blüte dauert aber nur wenige Wochen und nicht in allen Regionen werden diese Kulturen angebaut. Die übrige Zeit ist das Pollen- und Nektarangebot oftmals nicht ausreichend und die Bienen haben es schwer ihre tägliche Nahrung zusammenzutragen.

Steffi Lemke: „So sehr ich mich über den Trend der urbanen Imkerei freue – es ist doch absurd, dass unsere Bienen in städtischen Revieren deutlich mehr Honig sammeln, weil sie auf dem Land nicht mehr genug Blütennahrung finden und zudem von Pestiziden bedrängt werden! Deutlich weniger Pestizide in der konventionellen Landwirtschaft und mehr Ökolandbau sind die Lösungen. Und die großen Mengen ausgebrachter Gülle auf den Wiesen vom Allgäu bis nach Nordfriesland müssen reduziert werden, weil sonst die Wildblumen mit ihren Blüten fast gänzlich vertrieben werden. Wenn wir jetzt nicht handeln, drohen uns Verhältnisse wie in den USA oder in China, wo viele Bienenvölker kreuz und quer durchs Land gefahren oder Apfelbäume gar per Hand bestäubt werden müssen. Schon jetzt gibt es in Deutschland vielerorts nicht genügend Bienen und andere Insekten, damit Obst- und Gemüsepflanzen ausreichend bestäubt werden. Die Studie macht klar: eine intensive und sich immer mehr industrialisierende Landwirtschaft macht Honig- und Wildbienen schwer zu schaffen. Agrarminister Christian Schmidt muss endlich wirklich aktiv werden, statt sich mit allerlei Aktionismus als ,Bienenminister‘ lediglich zu inszenieren. Bienchen-Apps und Broschüren helfen da wenig. Schon im ureigenen Interesse der Landwirtschaft selbst, die für stabile und hohe Erträge gerade auf die Bienen und deren Anverwandte als Bestäuber angewiesen ist, muss Schmidt dringend für weniger Gift und mehr Vielfalt auf unseren Äckern sorgen. Der Ökolandbau zeigt, wie es geht: dort fühlen sich auch Bienen wohl. Auch deshalb müssen ökologische Anbauformen viel stärker gefördert werden.“

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