Tag der Tropenwälder: Entwaldungsfreie Lieferketten gesetzlich regeln

Zum heutigen Tag der Tropenwälder erklärt Steffi Lemke, Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion für Naturschutz:

Tropenwälder sind Hort der biologischen Artenvielfalt und die grüne Lunge unserer Erde: Schätzungen gehen davon aus, dass deutlich mehr als die Hälfte aller bekannten Tier- und Pflanzenarten hier heimisch sind. Knapp 90% aller noch unentdeckten Arten werden hier vermutet.

Doch um die Tropenwälder ist es schlecht bestellt: Jedes Jahr verlieren wir hunderttausende von Quadratkilometern an Tropenwäldern, der Weltnaturschutzkongress IUCN auf Hawaii musste die Rote Liste der bedrohten Arten auf seiner diesjährigen Tagung dramatisch erweitern: So wurde die Population des östlichen Gorilla in den vergangenen 20 Jahren um 70% dezimiert, vier von sechs Arten der Menschenaffen gelten nun als akut vom Aussterben bedroht. Urwälder und intakte Waldlandschaften müssen daher – wie der IUCN fordert – in Zukunft endlich besser geschützt werden.

Dafür spielen auch wir in Deutschland und Europa eine entscheidende Rolle: Die Rodung von tropischen Wäldern für Landwirtschaft und Holzhandel haben wir als Teil globaler Wirtschaftsströme mitzuverantworten. Auch unser Konsum ist für Abholzung verantwortlich.

Deutsche und europäische Unternehmen müssen unserer Verantwortung, nicht zur Abholzung der tropischen Wälder beizutragen, gerecht werden und nicht nur entwaldungsfreie Lieferketten ankündigen, sondern diese dann auch konsequent einhalten. Dazu bedarf es gesetzlicher Regeln, doch die Bundesregierung setzt weiter auf die Freiwilligkeit der Wirtschaft, wie eine Antwort der Bundesregierung auf meine Kleine Anfrage Maßnahmen gegen die Entwaldung (Drs. 18/9494) zeigt. Selbstverpflichtungen der Wirtschaft sind aber oft das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind, wie zuletzt Greenpeace in einer Analyse zeigte: Internationale Unternehmen wie PepsiCo oder Colgate-Palmolive konnten mitnichten eine unproblematische Herkunft des von ihnen verwendeten Palmöls nachweisen.

Hier müssen dringend verbindliche Regelungen und Sanktionsmöglichkeiten geschaffen werden, um tropischen Raubbau für Produkte in unseren Supermarktregalen zu stoppen. Dazu muss auch das Holzhandelssicherungsgesetz (HolzSiG) nachgebessert werden, denn weder fallen alle Holzprodukte darunter, noch sind mögliche Sanktionen wirklich abschreckend.

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