Tropenholz: Mehr Vergehen, weniger Kontrolle

Rainer Sturm @pixelio.de

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In Deutschland ist zu viel illegales Tropenholz auf dem Markt und die Bundesregierung tut zu wenig dagegen. Das belegen Antworten auf unsere Kleine Anfrage. Sie zeigen: Obwohl bisher deutlich weniger Stichproben als im Vorjahr stattfanden, steigt die Zahl beschlagnahmten Holzes. Und obwohl ein Schutzgesetz dadurch immer dringlicher wird, verzögert die Bundesregierung den Prozess.

 Hintergrund:

Illegaler Holzeinschlag trägt zu den 17 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen bei, die durch Entwaldung entstehen (IPCC 2007). Das gespeicherte CO2 in den Bäumen wird dabei wieder freigesetzt. Illegaler Holzeinschlag bedroht die biologische Vielfalt. Die europäische Holzhandelsverordnung (EUTR) soll dafür sorgen, dass nur legal geschlagenes Holz auf den europäischen Markt kommt. In Deutschland soll das Holzhandels-Sicherungs-Gesetz (HolzSIG) der Bekämpfung des illegalen Holzeinschlags und -handels dienen.

Zusammenfassung:

Um Holz aus illegalem Abschlag ausfindig zu machen, wurden im vergangenen Jahr 198 Kontrollen durchgeführt. Dabei wurden 66 Verstöße  gegen das HolzSIG festgestellt. Bei mehr als 30 Prozent der kontrollierten Holzprodukte konnte die Legalität der eingeführten Holzprodukte also nicht zweifelsfrei festgestellt werden. 2016 wurden bislang erst 61 Kontrollen durchgeführt, allerdings wurden dabei bereits 27 Verstöße gegen das HolzSIG festgestellt. Fast jede zweite Kontrolle wies demnach Unregelmäßigkeiten auf. Zudem spielt die Bundesregierung auf Zeit und räumte ihre bisherige Position: Bisher sollten per EU-Verordnung  Ausnahmen zum Verbot eines Tropenholz-Importes gelistet werden. Doch nun lässt die Bundesregierung  wieder Varianten prüfen, anstatt auf zügige Schließung der Schützlücken zu pochen. Durch die Prüfungen wird die Überarbeitung der EU-Verordnung verschleppt.

Steffi Lemke:

„Es ist absurd: Obwohl die Bundesregierung mehr Gesetzesverstöße registriert, werden nicht mehr, sondern weniger Kontrollen durchgeführt. Die Bundesregierung erkennt offensichtlich nicht, wie dringlich der Schutz des kostbaren Tropenholzes ist. Illegaler Holzeinschlag bedroht die Wälder in erheblichem Maße, und damit die grünen Lungen des Planeten samt seiner Artenvielfalt. Seit Jahren läuft die Regierung einem effektivem Gesetz hinterher. Dabei hat sie gar keine Zeit zu verlieren:  Sie müsste Kontrollen verstärken, Strafen erhöhen und bei der Überarbeitung der EU-Verordnung darauf drängen, dass alle Holzprodukte erfasst werden. Die Liste der Ausnahmen ist lang. Heute werden Holzkohle, Werkzeuge, Bücher, Musikinstrumente oder Spielzeuge nicht erfasst, um nur einige Beispiele zu nennen. Doch gerade bei diesen Produkten wird Tropenholz verwendet.“

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