Zehn Monate USA. Ein Erfahrungsbericht.

Philipp_Grau

Philipp Grau

Philipp Grau aus der Lutherstadt Wittenberg war im Rahmen des Parlamentarischen Patenschafts-Programms des Deutschen Bundestages zehn Monate in Staunton, USA. Hier ist nun sein Erfahrungsbericht. Hoffentlich bekommen dadurch mehr junge Menschen Lust an dem Programm teilzunehmen.

Meine zehn Monate als Botschafter Deutschlands sind leider schon vorbei. In dem letzten Jahr hatte ich tolle Erfahrungen gesammelt, neue Freunde gewonnen und bin erwachsener geworden. Von diesem ereignisreichem Jahr und die Veränderungen die ich dabei durchgemacht habe, möchte ich auf den nächsten paar Seiten berichten.

Wie habe ich mich verändert?

Das ist die Frage, die sich meine Freunde und Familienangehörigen am häufigsten gestellt haben. Natürlich habe ich mich verändert. Wie soll man sich denn auch nicht bei solch einem prägenden Jahr verändern? Das haben auch alle gewusst, aber nicht wie sich das Jahr auf mein Sozialverhalten auswirken würde.

Fangen wir zuerst mit dem vergleichen der deutschen- mit der amerikanischen Kultur an, oder mehr der sachsen-anhaltinischen mit der Virginischen Kultur, da man nicht das komplette Land vergleichen kann. Was mir aufgefallen ist, dass sich beide Kulturen nicht viel unterscheiden, aber der Unterschied ist groß genug, um Probleme im jeweils anderen Land hervorzurufen. Ein Unterschied ist zum Beispiel der Konsum von Alkohol, Drogen und Tabakwaren. Okay, Alkohol ist in Deutschland ab 16 bzw. 18 Jahren für Teenager frei erhältlich. In den USA erst ab 21 Jahren. Trotzdem ist es den Amerikanern eher bewusst, welche Schäden der Konsum dieser Drogen hervorrufen kann. Das gleiche gilt auch für den Tabakkonsum. Der Unterschied zum Alkohol ist aber, dass er ab 18 Jahren frei erhältlich ist und das Rauchen dort nicht als cool gilt, wie es hier der Fall ist. Beim Drogenkonsum nehmen sich beide Länder nicht viel.

Das Bewerten dieser Kriterien konnte ich nur schlussfolgem, da es auf den Partys, auf denen ich gewesen bin, keinen Alkohol, keine Drogen und auch keine Zigaretten gab. Da ich mich in den Szenen von beiden Ländern nicht auskenne oder bewege, konnte ich nur das beurteilen, was mir im Alltag aufgefallen ist Das Schulleben ist in Amerika ganz anders als wir es hier in Deutschland kennen. Es dient dort nicht nur zur Bildung, sondern auch zur Freizeitgestaltung nach Schulschluss.

Zum Beispiel nahm ich das ganze Jahr über an einer Theater AG, „Lee Drama“, teil. Dort konnte ich drei Produktionen miterleben, darunter „Document“, ein selbst geschriebenes Theater Stück, welches den 2. Platz in States erhalten hatte, von unserem Lee Drama Chef und Mentor J. Fregosi. Wir führten noch zwei weitere Stücke auf, darunter „The Neverending Story“ und das Broadway Musical „The Addams Family‘. Ich konnte dabei Erfahrungen sammeln, die mir in Deutschland niemals möglich waren.

Neben der Theater AG habe ich auch im Frühling Tennis gespielt und war für die Football- und Basketball Mannschaft das Maskottchen. Fast jeder hat sich am Schulleben beteiligt und war stolz drauf, ein Schüler dieser Schule zu sein. Mir fehlt dass das Schulleben hier in Deutschland nicht so eine große Rolle spielt. Das ist eine tolle Sache, die wir uns auch mal zu Herzen nehmen können und vielleicht auch übernehmen sollten.

Das PPP Programm verpflichtete, dass jeder in diesen 10 Monaten mindestens 20 Stunden als gemeinnützige Arbeit verrichtet. Ich wollte diese 20 Stunden so schnell wie möglich sammeln. Dabei habe ich festgestellt, dass mir das so viel Spaß macht, dass ich nach diesen 20 Stunden einfach weiter machen wollte. Zum Schluss bin ich dann

auf 114 Stunden gekommen und wurde durch ein Zertifikat vom Department of State überraschend ausgezeichnet. Meine Stunden habe ich in der Bücherei, im Tierheim, in der Kirche und In unserem städtischen Kulturmuseum absolviert. Ich habe dadurch gelernt, dass es viel Spaß macht und man neue Freunde finden kann, wenn man sich für seine Gemeinde einsetzt.

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass dieses Jahr in allen Aspekten ein voller Erfolg gewesen ist. Ich habe die Möglichkeit gehabt, über den mir normal zugänglichen Horizont zu blicken, und Dinge zu erfahren, die mir sonst verschlossen geblieben wären. Dafür bin ich sehr dankbar.

Ich möchte gern Steffi Lemke und ihrem Team für die tolle Unterstützung das ganze Jahr über danken. Sie sind stets für mich da gewesen und haben sich auch regelmäßig bei mir gemeldet. Ich hoffe, dass diese Patenschaft nicht nur für ein Jahr galt, sondern dass ich auch zukünftig auf die Hilfe von Frau Lemke und ihrem Team hoffen kann. Ich hoffe aber auch, dass ich vieles zur Bereicherung in meiner Umgebung einbringen kann.

Durch das Jahr bin ich selbstständiger, erwachsener und selbstbewusster geworden. Ich kann nur jedem empfehlen, der es sich zu traut, ein Auslandsjahr zu machen und sich für das nächste PPP zu bewerben.

Es lohnt sich!

Teile diesen Inhalt:

Artikel kommentieren

This blog is kept spam free by WP-SpamFree.

Bitte gib den folgenden Text ein * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

* Pflichtfeld