Mit Bienchen-Apps, Broschüren und künstlicher Bestäubung gegen das Bienensterben?

M. Großmann / pixelio.de

M. Großmann / pixelio.de

Zu den Antworten der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage „Rückgang von Bestäuber-Insekten, insbesondere Wildbienen“ (Drucksache 18/7705) erklären Harald Ebner, Obmann im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft und Steffi Lemke, Sprecherin für Naturschutzpolitik:

Es ist paradox: Die Landwirtschaft ist einerseits auf Bienen angewiesen, andererseits ist sie eine der größten Bedrohungen der nützlichen Insekten. Die Bundesregierung hat das Problem erkannt, aber die Wildbienen offenbar schon komplett aufgegeben.

Um die Bestäuber-Insekten und Wildbienen in Deutschland steht es schlecht: 41 Prozent der heimischen Wildbienenarten sind in ihrem Bestand gefährdet. Ihr Aussterben hätte katastrophale Folgen für Ökosysteme und auch für die Ernteerträge der Landwirtschaft, wie auch die Bundesregierung in ihrer Antwort auf unsere Kleine Anfrage einräumt. Das Aussterben von Insekten ist Ausdruck für den schlechten Zustand unserer Natur.

Wie dramatisch die Lage ist, zeigen auch Untersuchungen des Naturschutzbundes (NABU) in Nordrhein-Westfalen, wonach selbst in Naturschutzgebieten die Insektenbestände um 80 Prozent gegenüber den 1980er Jahren geschrumpft sind. Auch der Bericht des Weltbiodiversitätsrats (IPBES) zur globalen Lage der Bestäuber zeigt deren weltweite Gefährdung durch die industrielle Landwirtschaft.

All diesen Erkenntnissen müssen jetzt dringend Taten folgen. Um diesen Trend umzukehren und die Ziele der Nationalen Biodiversitätsstrategie erreichen zu können, müssen die Hauptverursacher der Naturzerstörung – vor allem die industrielle Landwirtschaft – zur Verantwortung gezogen werden. Die Bundesregierung ist mitverantwortlich dafür, dass die Greening-Ansätze für eine bienenfreundlichere Landwirtschaft in der EU verwässert und Mittel für eine umweltfreundliche Bewirtschaftung der Kulturlandschaft gekürzt wurden.

Offensichtlich hat sich die Bundesregierung schon mit dem Verschwinden der Wildbienen abgefunden. Denn sie hat ziemlich befremdliche Lösungsansätze: sie will etwa durch künstliche Bestäubung in Gewächshäusern mit Zuchthummeln eine „positive Situationsbeeinflussung“ erreichen.

Die wahren Problemursachen wie Auswirkungen von Herbiziden oder Monokulturflächen auf Bestäuber werden kleingeredet, man begnügt sich mit kosmetischem Herumdoktern an Symptomen. Der überfällige Kurswechsel in der Agrarpolitik wird nach wie vor verweigert. Dabei fordern den selbst Regierungsexperten vom Umweltbundesamt und vom Wissenschaftlichen Beirat des Landwirtschaftsministeriums. Mit einem „Weiter so“ in der Agrarpolitik werden unsere Wildbienen aber nicht zu retten sein. Daran ändern auch PR-Feigenblätter wie Bienen-Apps und bunte Broschüren von Barbara Hendricks und Christian Schmidt nichts.


Hier geht’s zur kleinen Anfrage „Rückgang von Bestäuber-Insekten, insbesondere Wildbienen“

 

Teile diesen Inhalt:

Artikel kommentieren

This blog is kept spam free by WP-SpamFree.

Bitte gib den folgenden Text ein * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

* Pflichtfeld