Artenschutz: Wilderei und Wildtierverkauf stoppen

Ulla Trampert  / pixelio.de

Ulla Trampert / pixelio.de

Zum 40-jährigen Jubiläum des Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) erklärt Steffi Lemke, Sprecherin für Naturschutzpolitik Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion: 

Auch nach 40 Jahren ist das Washingtoner Artenschutzübereinkommen hoch aktuell, denn das Artensterben ist eine der globalen Krisen, die von den nationalen Regierungen weitgehend ignoriert wird. Weltweit ist die Vielfalt von Tieren und Pflanzen gefährdet, so führt die Weltnaturschutzorganisation auf ihrer roten Liste mehr als 22 000 Arten als bedroht auf.

Wilderei hat dran einen großen Anteil. Wildfänge bringen oftmals ganze Populationen an den Rand des Aussterbens. Die UN stuft Wilderei sogar als organisierte Kriminalität ein und oftmals finanzieren sich kriminelle Kartelle, Terrorgruppen und Bürgerkriegsparteien aus den Erlösen des illegalen Wildtierhandels. Deutschland gehört zu den größten Absatzmärkten für Wildtiere, deshalb muss die Bundesregierung den illegalen Artenhandel auch als innenpolitische Herausforderung annehmen und ahnden. Dafür braucht es bundeseinheitliche Regelungen für den Handel mit Wildtieren, ein Verbot von gewerblichen Tierbörsen für Wildtiere sowie ein Importverbot von Wildfängen in die EU. Ich erwarte von der Bundesregierung, endlich die Versprechungen aus ihrem Koalitionsvertrag zu erfüllen und Wilderei und den Verkauf von Wildtieren zu stoppen

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  1. Jens Felka DGHT Stuttgart

    – es war schon immer einfacher Minderheiten und Einzelpersonen anzuschwärzen als gegen Großkonzerne vorzugehen. Ich kann die Aufregung gegen die Exotenbörsen für Außenstehende nachvollziehen. Aber noch immer sind Raubbau, Armut, Monokulturen, Wasserverschutzung und die genehmigte Verwertung von Wildtierhäuten das Hauptproblem. Warum ist denn klar “ ohne Führerschein kein Auto“ – „ohne Waffenschein keine Waffe“ – “ ohne Angelschein keine Fische“. Nur beim Sachkundenachweis kommt Keiner in die Gänge. Dann passt`s auch da “ ohne Sachkunde keine Exoten“. —- Oder liegt`s daran dass dann die Buh-Männer (oder Buh-Frauen) ausgehen?

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  2. Nicolá Lutzmann

    Hallo, ich glaube hier muss noch viel unter Grünen diskutiert werden. Der Handel mit lebenden Tieren ist nur ein Bruchteil von dem, was z.B. an Häuten aus der Wildbahn entnommen wird und hat kaum einen Anteil an dem illegalen Handel. Hier geistern immer wieder falsche Zahlen rum, die von undurchsichtigen und auch von Stiftung Warentest als total intransparenten „Tierschutz“organisationen (z.B. ProWildlife) ohne jegliche Beweise in den Raum gestellt werden. In dem Papier der UN geht es nur um den Handel mit Elfenbein, Nashorn etc. – also auch nicht um den Handel mit lebenden Tieren. Unser Europa Wahlprogramm 2014 hat schon die richtige Formulierung!

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  3. Hans-Jörg Winner

    Die Tier-/ Artenschutzpolitik war in den letzten 40 Jahren ungefähr genauso erfolgreich wie die Drogenpolitik der Bundesregierung. Null Komma null Erfolg oder Vorwärtskommen. Ein kleiner Tipp: Hier ware es mal ausnahmsweise sinnvoll über den Ozean nach Westen zu schauen, die sind uns da sz.T. schon einen Schritt voraus. Lesen hilft und wenn sie sich tatsächlich für ein reales Weiterkommen einsetzen möchten, empfehle ich unseren „Fachleuten“ (hust) die Lektüre des Buches von Barker & Barker „The Invisible Ark – In Defense of Captivity“ zu lesen (ISB:978-0-9785411-1-8). Nicht mal ganz 200 Seiten, leicht verständlich geschrieben und danach werden Sie mit Sicherheit aus Ihren Tier- und Artenschutzträumereien aufwachen.

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  4. Schäfer

    Wilderei und Arterhaltung…. was hat denn bitte das miteinander zu tun? Der Regenwald wird Stück für Stück abgeholzt, Gewässer zunehmend verunreinigt. Somit wird vielen Tieren der Lebensraum entzogen, bzw. Sie werden getötet. Ohne die Vivaristik wäre schon manche Tierart ausgestorben….. mal darüber nachdenken ihr lieben Politiker…..

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  5. Marco Bergmann

    Der Handel mit aus der Natur entnommenen Tieren (sogenannten Wildfängen) ist nicht gleichzusetzen mit illegalem Wildtierhandel. Stellt man die Zahlen des Reptilienbestandes in deutschen Terrarien und die Importzahlen von lebenden Reptilien gegenüber, kommt man zum Ergebnis, dass Wildtierimporte knapp 24 Prozent am Reptilienhandel ausmachen. Anzumerken ist außerdem, dass die Reptilienimportzahlen seit mehreren Jahren stark rückläufig sind. Zwischen 2007 und 2013 haben sie um ca. 60 Prozent abgenommen.

    „Wildtierimporte“ wiederum bedeuten noch lange nicht, dass es sich dabei auch um Wildfänge handelt. Etwa zwei Drittel der Importe von geschützten Reptilienarten sind Nachzuchttiere aus Menschenhand. Dies wird aus den Zahlen über die Ein- und Ausfuhren von WA-geschützten Wirbeltieren und Pflanzen des Bundesamtes für Naturschutz deutlich (2012). Der Rest sind durch die zuständigen Artenschutzbehörden abgesegnete und somit legale Wildfänge, die in einem nachhaltigen Rahmen gefangen werden. Dank des nachhaltigen Handels mit Wildfängen und den damit verbundenen Einnahmen haben die Bevölkerungen in den Herkunftsländern einen triftigen Grund, die Lebensräume der Wildtiere langfristig zu bewahren. Würde der nachhaltige Handel mit diesen Tieren unterbunden, müssten die Menschen in den Herkunftsländern der Tiere z.B. konventionelle Landwirtschaft betreiben, was eine sehr große Gefahr und womöglich sogar das Ende der dortigen Artenvielfalt bedeuten würde.

    Aus den oben genannten Zahlen ergibt sich, dass es sich bei etwa 92 Prozent der gehandelten und in Privathand gehaltenen Reptilien um Nachzuchten aus Menschenhand (76 Prozent aus Deutschland bzw. EU-Ländern, 16 Prozent von Züchtern aus Drittländern) und lediglich bei etwa 8 Prozent um aus der Natur entnommene Tiere handelt, die wiederum in einem nachhaltigen Rahmen gehandelt werden und deren Anteil auf dem Heimtiermarkt ohnehin seit Jahren stark rückläufig ist.

    Eine mystische Dunkelziffer darf nicht dafür sorgen, dass aufgrund von neuen Regelungen (z.B. einer Positivliste) die bestehenden Artenschutzinstrumente ad absurdum geführt werden. Es ist inakzeptabel, dass bereits jetzt seriöse Tierhalter abwägen müssen, ob sie z.B. der bisher aktiv praktizierten Meldepflicht von WA-geschützten Tierarten zukünftig noch nachkommen sollten, nur weil die politische Willkür sie kriminalisieren und mit Wildtierschmugglern auf eine Stufe stellen will. Letztere, die bereits jetzt die Artenschutzregeln missachten, lassen sich von neuen Verboten und Positivlisten nämlich auch nicht beeindrucken.

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  6. Team Lemke

    Vielen Dank für Ihre Kommentare zu diesem emotionalen Thema. Wir gehen davon aus, dass uns die Sorge um den Artenreichtum unserer Erde eint und wir gemeinsam Natur schützen und erhalten wollen. Wie das am besten zu erreichen ist, ist sicherlich umstritten und kann gerne leidenschaftlich diskutiert werden. Wir geben Ihnen Recht, das die Vernichtung von Lebensräumen und die Klimakatastrophe zu den größten Bedrohungsfaktoren für die meisten Arten weltweit zählen. Steffi Lemke hofft sehr, dass Sie als Naturliebhaber auf die eine oder andere Weise aktiv gegen diese Bedrohungen sind. Der vollständige Umstieg auf Erneuerbare Energien bleibt deshalb zentrales Anliegen der grünen Partei und Fraktion. Viele Ihrer Argumente sind bekannt und natürlich führen wir den Diskurs auch mit den entsprechenden Fachverbänden bzw. Interessensgruppen. Das führt doch aber nicht zwangsläufig dazu, dass sich Frau Lemke die Position der jeweiligen Interessengruppe zu eigen macht. Aufgabe von Abgeordneten ist es, zwischen verschiedenen Interessen abzuwägen und wo möglich, einen Ausgleich zu finden. Nachfolgend einige Untersuchungen von Institutionen u.a. von der IUCN, EUROPOL, der EU-Kommission und der Bundesregierung auf, die Frau Lemkes Position maßgeblich beeinflusst haben:

    Laut IUCN sind mehr als 22000 Arten vom Aussterben bedroht. Das hat verschiedene Ursachen: hauptsächlich der Verlust von Lebensräumen, aber auch den illegalen Handel (http://www.iucn.org/media/news_releases/…).

    Laut EUROPOL und EU-Kommission sind Europa und Deutschland dabei Ziel- und Transitort für bedrohte Arten, lebend oder tot, oder von Produkten daraus (https://www.europol.europa.eu/…/europol-supports… und http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/…). Regelmäßig werden neben Elfenbein, Nashornhorn auch Schildkröten und Reptilien beschlagnahmt (https://www.europol.europa.eu/content/operation-cobra-iii).

    Die EU-Kommission kommt zur Einschätzung, dass der illegale Artenhandel in engem Zusammenhang mit Korruption und illegalen Geldströmen steht (http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/… und http://www.swp-berlin.org/…/pro…/aktuell/2014A05_hgb.pdf). Außerdem erklärt die die EU-Kommission: „Der illegale Artenhandel beraubt einige der weltweit am stärksten marginalisierten Bevölkerungsgruppen, auch indigene Gemeinschaften, wichtiger Lebensgrundlagen. Produkte von Wildtieren und Wildpflanzen stellen für viele Industrie- und Entwicklungsländer direkt oder indirekt (z. B. über den Tourismus) einen wichtigen Wirtschaftszweig dar.“

    Die jetzigen Gesetze spielen den Wilderern und Schmugglern in die Hände: Sie lassen zu, dass Tiere und Pflanzen, die nur national geschützt sind, in Deutschland und der EU legal gehandelt werden können, sobald sie außerhalb ihres Herkunftslandes gebracht wurden. Gerade bei solchen Arten, deren internationaler Handel nicht beschränkt ist, ist der Anteil von Naturentnahmen besonders hoch. Diese rechtliche Lücke ist nicht akzeptabel.

    Auch die Bundesregierung bzw. die Große Koalition aus CDU/CSU und SPD erkennen dieses Problem an und kündigen in ihrem Koalitionsvertrag an, dass der Import von Wildfängen in die EU grundsätzlich verboten und gewerbliche Tierbörsen für exotische Tiere untersagt werden sollen (http://www.bundesregierung.de/…/2013-12-17…).

    Team Lemke

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    • Hans-Jörg Winner

      Schade dass nicht auf die Argumente in den Kommentaren eingegangen wird sondern immernoch steinzeitliche Artenschutzmentalität gezeigt wird. Verbieten = den Wert der „Ware“ für die Schmuggler zu erhöhen, und gleichzeitig legale Nachzuchten zur Arterhaltung nachhaltig zu unterbinden. Schade dass sich die Grünen immer wieder durch den Einfluss radikaler Gruppen selbst im Wege stehen. Damals die Fundi / Realo Kraft- und Resourcenverschwendung, heute z.B. durch das forcieren krankmachender veganer Ernährung oder versuchter Stimmenhascherei unter den Tierliebhabern. Letzteres ist jedoch sicher ganz kräftig in die Hose gegangen. Wenn Ihr Euch mit den radikalsten unter den Tierrechtlern, die jegliche Tierhaltung ablehnen, verbündet- wie viele Wählerstimmen glaubt Ihr in den Tierhalterhaushalten dadurch verloren zu haben? Schade dass in Berlin Naturgesetze wie „Fressen und gefressen werden“ oder dass der Tod Bestandteil des Lebens ist, verdrängt werden. Je höher die Hürde um an endliche Güter (z.B. Nashorn, Elfenbein, seltene Landschildkröten, etc.) zu kommen, je höher der Preis und je höher der Anreiz zum Schmuggel. Wacht auf! Das alte Konzept, und das nochmal verschärft ist kontraproduktiv und artenschutzfeindlich im höchsten Grade!
      Nehmt die Züchter mit ins Boot, um möglichst viele Arten über die Zeit der Überbevölkerung hinaus konservieren zu können, anstatt sie in die Illegalität zu drängen und den möglichen Wert ihrer Arbeit zu verteufeln. Sie bezahlen sogar alles selbst und unterstützen die viel zu wenigen und zu kleinen Zoos in einer sehr anspruchsvollen Aufgabe.

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  7. Marco Bergmann

    Selbstverständlich soll eine Abgeordnete wie Frau Lemke die Sachlage abwägen, verschiedene Positionen anhören und ihre Meinung darauf stützen. Leider habe ich das Gefühl, dass sie ihre Meinung nicht auf Sachfakten aufbaut, sondern sich von gewissen NGOs in den Block diktieren lässt.

    Dass laut IUCN auch der illegale Handel dazu beiträgt, dass Arten aussterben, ist richtig. Auch der Einschätzung der EU-Kommission, dass der illegale Artenhandel indigene Gemeinschaften ihrer Lebensgrundlage beraubt, stimme ich vollkommen zu. Aber auch hier wird mal wieder nicht differenziert zwischen den vereinzelt auftretenden illegalen Aktivitäten und dem legalen Handel, welcher (derzeit noch) den Großteil des Marktes ausmacht. Die Bestrebungen genereller Importverbote setzen das WA praktisch außer Kraft, werfen den legalen Wildtierhandel in denselben Topf mit dem illegalen Wildtierschmuggel, befeuern dadurch den illegalen Handel und berauben die Entwicklungsländer ebenfalls um wichtige Wirtschaftszweige. Beispielsweise Händler von Zierfischen in sogenannten Ramsar-Schutzgebieten, die Wildfänge in einem nachhaltigen Rahmen z.B. in die EU verkaufen. Diese Händler merken bereits jetzt Umsatzeinbrüche, weil immer mehr Tiere in der EU nachgezüchtet werden. Würde die EU als Großabnehmer plötzlich komplett wegbrechen, wäre dies das Existenzaus dieser legalen Wildtierhändler. Kriminelle Wildtierschmuggler würden die Bestände plündern und die Bevölkerung wäre gezwungen, ihre derzeit noch nachhaltig bewirtschafteten Gebiete aufzugeben. Dann wäre der Ramsar-Schutzstatus in Gefahr und mittelfristig würden „Monsanto & Co.“ die Flächen nutzen und die Tiere in diesen Lebensräumen in der Folge praktisch aussterben.

    Um dem illegalen Handel zu begegnen, müssten die bestehenden Gesetze nur mal strikter umgesetzt werden. Importkontrollen müssen verschärft werden. Auch die Förderung von Schutzgebieten im Rahmen der Ramsar-Konvention und deren Anpassung an IUCN-Standards wären sinnvolle Möglichkeiten. Ähnliches ließe sich sicherlich auch für Nicht-Feuchtgebiete umsetzen. Nur kann man sich damit ja leider nicht so schnell profilieren, wie mit Verboten. Die von Ihnen genannten Quellen belegen nur, dass der illegale Handel eingedämmt werden muss. Dies unterstütze ich. Sie erklären aber nicht, warum Sie legale Importe auf dieselbe Stufe stellen und ebenfalls verbieten wollen.

    Wäre ich ein illegaler Wildtierschmuggler, würde ich nach Beschluss von Importverboten feierlich die Sektkorken knallen lassen. Denn dank solcher Regelungen wäre mein Markt plötzlich immens gewachsen. Zwar würden Importverbote durchaus die Nachzuchten aufwerten (was mich als Züchter natürlich freuen würde), aber so könnten geschmuggelte Wildfangexemplare als Nachzucht deklariert künftig zu höheren Preisen innerhalb der EU vermarktet werden. Aus Sicht eines Wildtierschmugglers eine sehr lukrative Entwicklung.

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