Steffi Lemke nimmt Petition für eine Grundlegende Reform der Nutztierhaltung entgegen

Steffi Lemke mit Vertretern der BürgerinitiativeBürgerinitiative „Gegen das Steinkohlekraftwerk Arneburg e.V.“

Heute begrüßte Steffi Lemke die  Bürgerinitiative „Gegen das Steinkohlekraftwerk Arneburg e.V.“ Förderverein für Natur- und Umweltschutz an den Petitionsausschuss aus Sachsen-Anhalt und nahm deren Petition zur Grundlegende Reform der Nutztierhaltung entgegen. Diese Reform soll den globalen Gefährdungen für Mensch und Tier Einhalt gebieten, die durch die agrarindustrielle Nutztierproduktion (Massentierhaltung) entstehen.

In der Begründung heißt es:

„Eine jahrzehntelange Fehlentwicklung in der Landwirtschaft, ermöglicht durch einen zügellos-unregulierten Markt, hat zur industriellen Nutztierproduktion in Agrarfabriken mit Größenordnungen von 90.000 Schweinen, 800.000 Legehennen oder 500.000 Masthähnchen geführt. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen haben Qualzuchten zugelassen, d.h. Züchtung auf rasante Gewichtszunahme, z.B. der Brustmuskulatur bei Mastgeflügel. Das Wachstum der Organe kann mit dem der Muskulatur nicht Schritt halten, was zu einem Übermaß an Todesfällen führt. Viel zu hohe Besatzdichten, z.B. von 25 Hähnchen pro Quadratmeter, das Liegen im eigenen Kot, Aufzucht ohne Tageslicht, ohne die Möglichkeit, sich artgerecht zu verhalten, dieses ethisch verwerfliche Haltungssystem führt zu extremen Erkrankungshäufigkeiten. Es entsteht ein enorm hoher Infektionsdruck, dem nur durch massiven Einsatz von Antibiotika (über 1.500 Tonnen/a in der Nutztierhaltung) begegnet werden kann, die häufig, wenn auch gegen die Vorschriften des jetzt gültigen Arzneimittelgesetzes, prophylaktisch dem Futter beigemischt werden. So werden Antibiotika zu einem Teil des Systems, ohne sie würde die agrarindustrielle Tierhaltung nicht funktionieren. Die Folgen des stetig steigenden Antibiotika-Einsatzes sind die zunehmenden Antibiotika-Resistenzen, die zu einer verstärkten Gesundheitsgefährdung für Mensch und Tier führen. Wenn dieser Teufelskreis nicht durchbrochen wird, setzen wir unsere Gesundheit und die der kommenden Generationen aufs Spiel. Darüber hinaus verursacht die agrarindustrielle Nutztierproduktion erhebliche Umweltschäden. Sie hat in der ganzen EU eine Überproduktion an tierischen Lebensmitteln zur Folge. Das leistet im Inland dem ungesunden Konsum tierischer Erzeugnisse Vorschub und ruiniert beim Export des Überschusses zu Dumpingpreisen in Entwicklungsländer die Existenz dortiger Kleinerzeuger.
Der Weltagrarbericht (IAASTD) kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: Nicht die agrarindustrielle Nutztierproduktion, sondern die bäuerliche Landwirtschaft ist das Rückgrat der Welternährung. In ihre Hände gehört die Erzeugung von Lebensmitteln, denn sie ist in der Lage, die Bevölkerung ihres Landes zu ernähren. In Umfragen geben EU-Bürger an, dass sie zuallererst eine artgerechte Tierhaltung von der Landwirtschaft erwarten. Der „Markt“ wird sich in moralischer Hinsicht niemals alleine zügeln. Dazu bedarf es des Einschreitens der Politik. Ein generelles Umdenken, ähnlich wie in der Energie-Atompolitik muss stattfinden. Die Nutztierhaltung muss von Grund auf reformiert werden.“

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