Nein zu Palmöl aus Regenwald-Zerstörung

© scornish/flickr (CC BY 2.0)

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Wenn die EU-Lebensmittelinformationsverordnung am 13. Dezember 2014 in Kraft tritt, können Unternehmen nicht mehr verschleiern, ob sie Palmöl in ihre Lebensmittel mischen oder nicht. Der nichtssagende Zutatenaufdruck „Pflanzliche Fette“ ist Geschichte. Immerhin ein kleiner Fortschritt, der bewusstere Kaufentscheidungen möglich macht. Mit der neuen Kennzeichnung wird ein Problem endlich sichtbar, dass wir bald lösen müssen: Der stetig zunehmende Verbrauch an Palmöl bedroht die Tropenwälder der Welt. In fast jedem zweiten Produkt, das im Supermarktregal liegt, ist Palmöl enthalten – egal ob in Fertigpizza oder Suppen, ob in Schokolade, Keksen, oder Kerzen

Kettensägen zerstören Tier- und Pflanzenwelt

Seit 1990 hat sich die Fläche für Ölpalmen weltweit verdoppelt, in Indonesien, dem Hauptanbaugebiet für die Ölpalme, sogar verzehnfacht. Die weltweite Produktion von Palmöl lag im Jahr 2013 bei 58 Millionen Tonnen auf einer Fläche von 12 Millionen ha (1/3 der Bundesrepublik). Indonesien und Malaysia alleine liefern mit 50 Millionen Tonnen produziertem Palmöl 85% des Palmöls auf dem Weltmarkt. Und ein Ende ist nicht in Sicht! Die Folgen für die biologischen Arten- und Pflanzenvielfalt in den Regenwäldern sind dramatisch. In den indonesischen Torfwäldern, in denen ein Großteil der Plantagen angelegt wird, sind viele vom Aussterben bedrohte Arten wie Orang-Utans, Sumatra-Tiger oder Java-Nashörner beheimatet. Deren Lebensraum wird durch die Anlage von immer neuen Palmölplantagen immer weiter vernichtet. Besonders verheerende Auswirkungen hat die Rodung und Trockenlegung von Torfwäldern, da diese rund zehnmal mehr Kohlenstoff speichern als andere Urwälder und ihre Rodung das Klima anheizt. Von den ursprünglich 22,5 Millionen Hektar Torfland in Indonesien wurde die Hälfte bereits entwaldet und entwässert.

Menschenrechtsverletzungen und Zerstörung der Lebensgrundlagen

Auch die sozialen Konsequenzen in den Anbaugebieten sind enorm. Um Platz für neue Anbauflächen zu schaffen, werden Kleinbauerinnen und Kleinbauern und indigene Gruppen oft mit Gewalt aus ihrer Heimat vertrieben oder nur unzureichend entschädigt. So verlieren sie vielerorts ihre natürliche Lebensgrundlage oder werden in die Abhängigkeit großer Agrarkonzerne gezwungen. Von neuen wirtschaftlichen Perspektiven kann keine Rede sein. Dort wo Menschenrechte systematisch missachtet werden, entsprechen auch die Arbeitsbedingungen auf den Plantagen häufig weder lokalen Gesetzen noch internationalen Standards.

Nachhaltige Produktion statt Greenwashing

Damit muss Schluss sein. Wir können uns den Raubbau an den Tropenwäldern gar nicht leisten. Der Preis ist viel zu hoch: Wir verlieren täglich ein neues Stück grüne Lunge der Welt. Wir verlieren Tierarten, die dort bisher zuhause waren. Und wir können nicht einfach hinnehmen, das Menschenrechte für die Aufzucht immer größerer Plantagen mit Füßen getreten werden. Was müsste also passieren? Zunächst ist die jetzige Kennzeichnungsregelung ist bei weitem nicht ausreichend. Reinigungsmittel und Kosmetika, die Palmöl enthalten, bleiben nicht speziell gekennzeichnet. Vor allem aber fehlen verbindliche und überprüfbare Klima-, Umwelt-, Menschenrechts- und Sozialstandards für den Anbau, die Verarbeitung und den Transport von Palmöl. Dafür muss sich die Bundesregierung auf EU-Ebene einsetzen. Das Ziel sollte sein, den nicht nachhaltigen Anbau von Palmöl endlich zu beenden. Da reicht auch kein freiwilliges Feigenblatt. Viele Unternehmen betonen, als Mitglieder des „Runden Tisches für nachhaltiges Palmöl“ (RSPO) Mindestkriterien für eine umwelt- und sozialverträgliche Produktion von Palmöl zu berücksichtigen. Aber diese Kriterien sind zu lasch und täuschen Verbraucherinnen und Verbrauchern mithilfe eines „grünen Siegels“ eine Nachhaltigkeit vor, die so nicht stattfindet. Viele zertifizieren ohnehin nur einen Teil ihrer Produktion betreiben mit dem Rest „Raubbau as usual“.

In einem Brief an 22 Süßwarenhersteller fragten die Abgeordneten Steffi Lemke, Nicole Maisch und Uwe Kekeritz nach der Verwendung von zertifiziertem Palmöl im Weihnachtssortiment. Ergebnis: die meisten Unternehmen, sofern sie geantwortet hatten verwenden bisher kein zertifiziertes Palmöl. Sie verstecken sich hinter Floskeln und verwiesen auf ihre Mitgliedschaft im RSPO. Tatsache bleibt: Selbst zertifiziertes Palmöl entspricht heute nur unzuverlässigen Standards und wird zu selten verwendet. Die Produktion von zertifiziertem Palmöl übersteigt seit langem die Nachfrage. Einfach nur Mitglied im RSPO zu sein, hat noch keinen Quadratmeter Regenwald gerettet.

Gesetzliche Mindeststandards für die Erzeugung und die Einfuhr von Palmöl sind daher unabdingbar. Nur so können Verbraucher, Umwelt und Menschen in den Produktionsländern zuverlässig geschützt werden. Von der Bundesregierung erwarten wir, dass sie nicht weiter die Hände in den Schoß legt und der Abholzung der Regenwälder tatenlos zusieht. Von jetzt bis zum Tag der Tropenwälder am 13. September 2015 sollte ausreichend Zeit sein, warmer Worte auch in konkrete politische Initiativen umzusetzen.

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