Internationales Parlaments-Stipendium (IPS) – Eine positive Erfahrung, die ich lebenslang behalten werde

Jedes Jahr kommen 120 junge Leute aus 31 Nationen nach Deutschland mit dem Ziel, ein Praktikum im Deutschen Bundestag zu machen. Im Rahmen des Internationalen Parlaments-Stipendium (IPS) bekam die parlamentarische Geschäftsführerin und Sprecherin für Naturschutzpolitik Steffi Lemke Unterstützung von der internationalen Stipendiatin aus Kasachstan, Mariya Yevdakova.

 

Mariya_PortraitIch habe Politik- und Sozialwissenschaften mit Schwerpunkt internationale Beziehungen in Kasachstan studiert. Vom IPS-Programm habe ich während meines Studiums an der Universität von einer ehemaligen Stipendiatin erfahren und wollte sehr gerne daran teilnehmen. In diesem Jahr findet das IPS-Programm im Deutschen Bundestag zum 28. Mal statt und zielt darauf, die parlamentarische Demokratie von innen zu zeigen, ihre Vor- uns Nachteile sowie Mechanismen der Arbeit im Parlament kennenzulernen. Voraussetzungen für die Teilnahme waren sehr gute Kenntnisse der deutschen Sprache, theoretisches Wissen des politisches Systems Deutschland, politisches Engagement und hohe Motivation.

Sitzungen, Sitzungen, Sitzungen

Das 5-monatige Praktikum bei Steffi Lemke begann für mich am 12. März. Von Anfang an mochte ich die entspannte Atmosphäre und das offene Verhalten zwischen den Mitarbeiterinnen. Im Rahmen meiner ganztägigen Beschäftigung konnte ich den ganzen Büroalltag eines Abgeordnetenbüros kennenlernen. Während der Sitzungswochen konnte ich Fraktions-, Ausschuss und Plenarsitzungen besuchen und Steffi Lemke begleiten. Super interessant und einzigartig war die Möglichkeit auf der Besuchertribüne dabei sein zu können als meine Abgeordnete ihre erste Rede in der 18. Wahlperiode zum Thema „Friedliche Revolution in der DDR in 1989“ hielt. Außerdem fand ich die Sitzung des Ausschusses für Umwelt-, Naturschutz und Reaktorsicherheit zum Anlass der Atomkraftreaktorunfälle in Tschernobyl 1986 und Fukushima 2011 spannend. Dazu wurden extra der ehemalige Premierminister Japans, Naoto Khan und der ehemalige Direktor des Nuklear- und Strahlungssicherheitsprograms des Internationalen Grünen Kreuzes in Russland, Prof. Vladimir Kusnetsov eingeladen. Die Möglichkeit an diesen Sitzungen teilzunehmen, war für mich sehr wertvoll, weil ich so die Parlamentarische Demokratie direkt erleben konnte:, Behauptungen waren immer umstritten und für Argumente eines MdBs wurden auch Gegenargumente der anderen Fraktionen dargestellt. Vor allem habe ich die Ereignisse in der Ukraine in 2014 und die Reaktion Deutschlands darauf beobachtet. Am 20.03. war ich bei dem Fachgespräch mit dem Vorsitzenden des Vereins jüdischer Gemeinden und Organisationen in der Ukraine, Herrn Josef Zissels, der die Behauptung über Faschismus und Antisemitismus in Maidan gemacht hat. Für mich war das besonders interessant, weil der Experte aus der Ukraine das Geschehen, die Gründe und Fakten, die Veröffentlichungen in den Medien und die Folgen dargestellt und offen mit dem Publikum die Streitfragen über Populismus und Propaganda diskutiert hat.

Meine Aufgaben im Bundestagsbüro

Daneben habe ich vielfältige Aufgaben im Büro erledigt: Ich habe Briefentwürfe als Antworten auf Bürgerfragen geschrieben, Post und Massenbriefsendungen bearbeitet, zu verschiedenen Themen recherchiert und die Unterlagen für Sitzungen vorbereitet. Eine Herausforderung war für mich die Mitarbeit an einem Antrag zum Thema „Kampf gegen Wilderei geschützter Arten“, bei der ich viel über die parlamentarische Arbeit lernen konnte. Steffi Lemke hatte mehrere Besuche von Gruppen aus Sachsen-Anhalt, mit denen sie als MdB der Fraktion Bündnis 90/ die Grünen ihre Positionen diskutierte und Fragen beantwortet hat. Ich hatte auch die Möglichkeit die Besuchergruppen zu begleiten und eine kleine Führung durch den Bundestag zu machen. Während meiner Tätigkeit im Büro hatte ich ständig die Unterstützung der Mitarbeiterinnen bekommen, die immer hilfsbereit und nett waren und mir die Aufgaben konstruktiv erklärt haben. Besonders sinnvoll bei der Büroarbeit fand ich die Teamsitzung, die fast jede Sitzungswoche stattgefunden hat. Sie wurde für die Terminplanung der Woche, die Besprechung der aktuellen Aufgabenverteilung und Prioritätensetzung der Themen und neue Vorschläge eingerichtet.

 

Besuch im WahlkreisMariya_Wahlkreisreise_Halle

Ein interessanter Teil des Programms war für mich die Wahlkreisreise nach Sachsen–Anhalt. Steffi Lemke kommt aus Dessau und sitzt für Sachsen-Anhalt im Bundestag. Am 10. Juni begann meine Wahlkreisreise in Magdeburg, der drittgrünsten Stadt in Deutschland. Ich habe in Magdeburg den Mitarbeiter des dortigen Regionalbüros getroffen und die Landesgeschäftsstelle der Landespartei besucht. An diesem Tag gab es auch eine Fraktionssitzung der Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen im Landtag von Sachsen-Anhalt. An dieser Sitzung habe ich teilgenommen und auch die Unterschiede zwischen der Bundestags- und Landtagsfraktion kennengelernt. Am nächsten Tag fuhr ich nach Lutherstadt Wittenberg. Dort hat Steffi Lemke ein zweites Regionalbüro. Auf dem Weg dorthin habe ich im Zug mit meiner Abgeordneten ein spannendes Gespräch geführt. Sie hat viel darüber erzählt, wie ihre Arbeit während der sitzungsfreien Wochen organisiert ist. In Wittenberg habe ich Steffi Lemke beim Pressegespräch mit dem Buchautor und Euro Naturpreisträger Dr. Ernst Paul Dörfler zum Thema „Wiederansiedlung von Nachtigallen im Wittenberg“ begleitet. Die letzte Station meiner Reise war Halle an der Saale. Gemeinsam mit einer Mitarbeiterin aus dem Regionalbüro habe ich den Stadtverband Halle von Bündnis 90/Die Grünen besucht. Ich habe an einem Treffen zur Planung der Sommertour von Steffi Lemke durch Sachsen-Anhalt teilgenommen, wo an dem bisherigen Plan gefeilt und die einzelnen Termine präzisiert wurden. Außerdem war ich zu Gast in der Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen Halle (Saale), wo über die Rolle und Tätigkeit der Fraktion im Stadtrat geredet wurde. Mein letzter Termin war der Besuch der Mitgliederversammlung des Stadtverbandes Halle von Bündnis 90/Die Grünen. Hier stand die Auswertung der Europa- und Kommunalwahlen in Mittelpunkt. Die restliche Zeit habe ich genutzt um mir die Stadt anzuschauen und die die schöne Architektur zu genießen. Die Reise hat mir in einen Einblick gegeben, wie parlamentarische Strukturen auf Landes- und Kommunalebene funktionieren, welche Aufgaben das Regionalbüro einer Bundestagsabgeordneten hat und wie die Zusammenarbeit zwischen den Regionalbüros und dem Bundestagsbüro funktioniert.

 

Politische StiftungenMariya_Windrad_Stiftungsreise

Während des Programms konnte ich auch politische Stiftungen besuchen. So habe ich erfahren, welche politischen Stiftungen es gibt, welcher Partei sie nahe stehen und welche Ziele und Hauptwerte sie vertreten. Am besten hat mir die viertägige Seminarreise der Rosa-Luxemburg-Stiftung mit dem Thema „Sozialökologischer Umbau und erneuerbare Energien – Das Beispiel Mecklenburg-Vorpommern “ gefallen. Im Rahmen des Seminares haben wir in einem unikalem Solarzentrum in Wietow gewohnt, das durch erneuerbare Energien für sich selbst Strom erzeugt. Im Seminar arbeiteten die Stipendiaten in Gruppen und wir konnten uns viel über Vor- und Nachteile der erneuerbaren Energien (Biomasse, Wind, Sonne) unterhalten. Den Besuch von Windparks fand ich eindrucksvoll, weil jeder in voller Ausrüstung die Möglichkeit hatte, an einem Windrad hochzuklettern und zu beobachten, wie das Windkraftwerk von innenfunktioniert. Durch eine tolle Führung von Dr. Brigitte Schmidt habe ich die Geschichte der nachhaltig-ökologischen Ansätze in der Kommunalpolitik in Mecklenburg-Vorpommern erfahren. Sie hat uns dabei auch vermittelt, wie wir uns in unseren Heimatländern für die Erneuerbaren-Initiativen engagieren und wie Bürgerprojekte umgesetzt werden können.

Fazit

Ich bin sehr froh, dass ich mein Praktikum im Bereich Natur- und Umweltschutz bei der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen im Büro von Steffi Lemke gemacht habe. Dieses Praktikum war für mich eine positive Erfahrung, die ich lebenslang behalten werde. Dadurch konnte ich neue Kontakte knüpfen und mich inhaltlich bereichern. Ich fühle mich richtig motiviert, die Erfolge und Methoden des politischen Systems in Deutschland gerade auch im Bereich Umwelt- und Naturschutz, soweit ich sie kennenlernen konnte, zur Bewältigung der Herausforderungen in meinem Heimatland zu nutzen und die Beziehungen zwischen Deutschland und Kasachstan zu intensivieren.

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