Am 18.11.2010 erschien auf sueddeutsche.de ein Interview, das Thorsten Denkler mit Steffi Lemke führte:
Die Grünen als Nutznießer der Protestwelle im Land? Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke spricht über den plötzlichen Erfolg ihrer Partei und erklärt, warum sie CSU-Generalsekretär Dobrindt gerne mit nach Gorleben genommen hätte.
sueddeutsche.de: Frau Lemke, Ihre Partei macht Politik für die Windkraft- und Solarindustrie, Renate Künast will in Berlin Lehrer wieder verbeamten, unter denen sie viele Wähler haben. Sind die Grünen eine Klientel-Partei?
Steffi Lemke: Definitiv nicht. Diese Klientelpartei-Geschichte soll doch zum Kampfbegriff gegen uns aufgebaut werden. Aber darauf fallen die Leute nicht rein: Unsere Orientierung ist das Gemeinwohl. Uns geht es um die Lebensgrundlagen aller Generationen in unserer einen Welt. Uns geht es um Zukunft.
sueddeutsche.de: Dann sind die Grünen vielleicht eine bisher verkannte Volkspartei.
Lemke: Auch nicht. Der Begriff Volkspartei beschreibt den Zustand von CDU und SPD im letzten Jahrhundert. Er taugt aber nicht mehr, um auch nur eine der Parteien zu beschreiben, schon gar nicht die Grünen.
sueddeutsche.de: Warum nicht?
Lemke: Die Merkel-Partei CDU hat mit ihrer Lobby-Politik das Gemeinwohl schon lange aus dem Blick verloren. Und die Grünen haben sich nie nach den Kriterien eines Gemischtwarenladens beschreiben lassen. In einer Volkspartei versammelten sich klar zuzuordnende, homogene gesellschaftliche Milieus. Die Gesellschaft ist heute im 21. Jahrhundert ausdifferenzierter. Die Menschen wollen nicht mehr alle vier Jahre einer Partei ihre Stimme geben und dann stumm zusehen, was die damit machen. Sie wollen mitreden und mitbestimmen. Die Interessenlagen verteilen sich manchmal auf verschiedene Parteien. Viele Wähler bleiben nicht mehr über Jahrzehnte bei einer einzigen Partei. weiterlesen »