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05Mai

Steffi Lemke zu Helmut Kohl in der Leipziger Volkszeitung

Leipziger Volkszeitung vom 5. Mai 2010: “Grünen-Politikerin Lemke: Kohl habe nie ein ordentliches Verhältnis zum Zerfall der DDR gefunden – de Maizière lobt Kohls patriotische Lebensleistung”:

“Anlässlich des Festaktes zu Helmut Kohls 80. Geburtstag im Pfalzbau in Ludwigshafen wies Bundesinnenminister Thomas de Maizière auf “die große Lebensleistung” von Kohl als Ministerpräsident, Oppositionsführer, Bundeskanzler und CDU-Bundesvorsitzender hin. In einem Interview mit der “Leipziger Volkszeitung” (Mittwoch-Ausgabe) meinte er: “Das ist eine große Lebensleistung. Vor allen Dingen auch eine patriotische und europäische große Lebensleistung.” In diesem Zusammenhang sagte der CDU-Politiker zu Kohls Vergangenheit als Parteispenden-Sünder: “Jeder hat in seinem Leben Dinge, auf die man nicht so gerne zurückguckt und das gehört auch zu diesem großen Leben.”
Die aus dem Osten stammende Bundesgeschäftsführerin der Grünen, Steffi Lemke, kritisierte gegenüber der Zeitung: “Bei dem Hype rund um Kohls 80. Geburtstag konnte man doch manchmal den Eindruck bekommen, Helmut Kohl habe höchstselbst und ganz persönlich die Mauer eingerissen, das ZK entmachtet und die Stasi verjagt. Bei allen Verdiensten Helmut Kohls als Europäer – an der Friedlichen Revolution ’89 und am Mauerfall war er weder direkt noch indirekt beteiligt. Da klaffen das Selbst- und Fremdbild Helmut Kohls und der gesamten CDU meilenweit auseinander”, meinte Frau Lemke.

“Dieser Versuch der Geschichtsklitterung, an dem sich auch manche Medien gern beteiligen, verfängt aber insbesondere bei den Menschen in den neuen Bundesländern nicht”, zeigte sich die Grünen-Politikerin überzeugt. “Helmut Kohl bleibt auch das Synonym für das Märchen der blühenden Landschaften. Weder er noch Angela Merkel haben je ein angemessenes Verhältnis zu einem historischen Ereignis gefunden, welches sämtliche Spielregeln der Politik in Ost wie West einfach über den Haufen rannte.”"

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Verfasst am 05.05.2010 um 11:25 Uhr von mit den Stichworten , , , , .
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Kommentare

  1. Brennecke5. Mai 2010

    Sie haben wohl nicht lange genug im Arbeiter und Bauernparadiese gelebt, um erkennen zu können was Helmut Kohl wirklich geleistet hat. Wären Sie doch beim erlernten MELKEN geblieben.

    Antworten
  2. jürgen Konkel5. Mai 2010

    Vielen Dank, Frau Lemke für ihren Beitrag in der LVZ über Helmut Kohl. Ganz ehrlich Danke

    Antworten
  3. U.Waithill5. Mai 2010

    Ich habe Ihre Äußerungen zum 80.
    Geburtstag von H.Kohl gelesen.Man
    hat den Eindruck, Ihnen wäre es lieber gewesen, wenn H.Kohl sein Anstrengungen um die Wiedervereinigung unterlassen hätte. Wären Sie dann heute Mitglied der Volkskammer ? Und dann der Spruch von den blühenden Landschaften.
    Offensichtlich gehen Sie mit geschlossenen Augen oder zumindest mit Scheuklappen durch Ihre alte Heimat. Ich habe den erbärmlichen Zustand der Infrastruktur in der DDR vor der Wende mehrmals gesehen. Vergleichen Sie doch bitte den heutigen Zustand der Städte. Ich
    habe in meinem Berufsleben einen erheblichen Beitrag durch den Solidaritäts-
    zuschlag gezahlt und habe dies gern getan, weil ich es für meine Pficht hielt.Daher die Frage: Was haben Sie eigentlich bisher Positives für das Zusammenwachsen unseres Volkes getan ?

    Antworten
  4. Chris5. Mai 2010

    Eine Frechheit wie Sie über Herrn Kohl reden. Herr Kohl ist zusammen mit Herrn Adenauer sicherlich der Politiker der sich am meißten um Deutschland verdient gemacht hat. Wäre Herr Kohl damals nicht Kanzler gewesen würden sie wahrscheinlich heute irgendwo Broiler braten und Trabbi fahren.

    Antworten
  5. Steffen G.5. Mai 2010

    Ich verstehe Ihre Äußerungen “Märchen blühender Landschaften” ebenfalls nicht. Sicherlich gibt es nach wie vor verbesserungswürdige Strukturen in verschiedenen Bereichen, aber als in den ostdeutschen Teil umgezogenener “Wessi” sehe ich ganz andere Dinge als Sie offenbar. Viele Straßen, Häuser und andere Infrastruktur ist nach der Wende neu gebaut worden oder wird immer noch neu gebaut und sieht teilweise deutlich besser und moderner aus als in so manchen Teilen Westdeutschlands. Ihre Äußerung empfinde ich als blindes Übersehen und Nichtwürdigung derjenigen, die sich finanziell daran beteiligen (mussten), dass viele, viele Bürger mit u.a. dem Soli dafür gesorgt haben, dass hier Verbesserungen geschafft wurden. Vielleicht war die Äußerung der “blühenden Landschaften” zu euphemistisch, aber die Veränderungen vielerorts sind nicht zu übersehen. Wie stellen Sie sich “blühende Landschaften” vor??

    Antworten
  6. Kurt Neumann5. Mai 2010

    Danke, leider gibt es immer weniger kritische Stimmen. Kohl hat vieles für sich, für seine persönliche Macht und die seiner Partei ausgenutzt. Viele zugespitzte Entscheidungen waren zu ihrer Zeit falsch und oft gefährlich. Atomraketen, die Stimmung zusätzlich zur DM anheizen, blühende Landschaften versprechen und damit Hoffnungen wecken und Enttäuschungen bewirken. Es hätte mit weniger Arroganz und Selbstgefälligkeit vieles besser laufen können, für West wie Ost. Ein gerechter Lastenausgleich, wie in den fünfziger Jahren, nicht nur über die Masse der Arbeitnehmer und den Sozialkassen und damit die Sozial- und Rentenkassen so stark belasten. Auch damals wurden Banken großzügig beschenkt. Vom Schwarz-Geld und Verschweigen der Spender abgesehen. Die Mehrheit hatte ihn schon 1989 auch in der CDU und dann bei der Wahl 1998 abgewählt.
    Er war 1990 zur rechten Zeit im Amt, ob das ein Verdienst ist und notwendig ihn heilig zu sprechen. Die Menschen im Osten hatten den Mut und das Risiko – Kohl wird zu unrecht so undifferenziert gefeiert

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  7. Günter Koch5. Mai 2010

    Sehr geehrte Frau Lemke,
    natürlich hat Helmut Kohl nicht die Mauer eingerissen, genauso wie Erich Honecker nicht die Flüchtige an der Mauer allein erschossen hat.
    Ich finde es immer wieder ätzend, wenn Politiker aus dem Osten (egal ob SED/PDS/Linke oder Grüne) die Leistungen der damaligen Bundesregierung in den Dreck ziehen. Wenn Sie mal Zeit haben, überlegen Sie doch einmal, wo und wie Sie heute leben würden, wäre die “gelobte” DDR noch vorhanden. Mir als BRD-Bürger ginge es viel besser, denn wir hätten die vielen Mill. auch in unser Land zur Zufriedenheit aller investieren können.
    Von 1990-1993 habe ich für meine Firma in der DDR gearbeitet. Ich war entsetzt, wie man ein Land so verkommen lassen kann. Was haben Sie dagegen getan? Im sicheren Parlament sitzen und meckern – nein, danke. Damals mussten Sie den Mund halten – also tun Sie es heute auch. Besser Für Sie!!!

    Günter Koch

    Antworten
  8. Till Westermayer5. Mai 2010

    De mortuis nil nisi bonum – Aber noch weilt Herr Kohl ja unter den Lebenden. Insofern finde ich es durchaus richtig, da Kritik zu üben, wo Kritik zu üben ist.

    Antworten
  9. Hannelore Keßler5. Mai 2010

    Über den heutigen Über den Kommentar in der Leipziger Volkszeitung bin ich entsetzt – oder anders gesagt: “Sind Sie blind, sehen Sie die enormen Veränderungen nicht?” Es ist doch eine Freude, durch die
    ehemalige DDR zu fahren.
    Ich bin im 0sten geboren und lebe auch noch hier,kann also die Unterschiede einschätzen. Es gibt immer Politiker, die alles zerreden müssen. Schaden, daß Sie dazu gehören.
    H. Keßler

    Antworten
  10. Steffi Lemke5. Mai 2010

    Dass meine Äußerungen hier so rege Reaktionen hervorrufen, freut mich ja zu allererst einmal.
    Ich werde es mir jetzt aber verkneifen, die unqualifizierten und selbstentlarvenden Äußerungen zu meiner DDR-Herkunft zu kommentieren. Oder die fast schon diskriminierenden Äußerungen gegenüber Ostdeutschen, die mich heute per e-mail erreichten.

    Aber vielleicht ist es hilfreich zu wissen, wie meine Äußerungen zu Helmut Kohl entstanden sind. Die Anfrage der Leipziger Volkszeitung kam schon vor vielen Wochen, als zum wiederholten Male beim Erinnern an den 20. Jahrestag des “Mauerfalls” Helmut Kohl und Angela Merkel über die Bildschirme flimmerten und sich die von Konrad-Adenauer-Stiftung und BILD Zeitung organisierten Gedenkfeiern allein mit Akteuren besetzt waren, die im Herbst 1989 eben NICHT zu den Montagsdemonstrationen gingen, die nicht zu den anfangs Hunderten, später Hunderttausenden gehörten, die den Mut hatten, auf die Straße zu gehen und trotz Stasi und der Angst vor Polizeigewalt für Reformen und Demokratie auf die Straße zu gehen.

    Der Herbst 1989 und der Untergang der DDR ist ein Verdienst dieser Menschen, gehört den Bürgerbewegungen und allen Demonstranten des Herbstes 1989. Die Mauer fiel nicht durch die Hand der Bundesregierung oder des Bundeskanzlers Helmut Kohl. Das aber kam leider in der Berichterstattung und den Feierlichkeiten viel zu kurz.
    Und genau das habe ich kritisiert und die Bürgerbewegten von damals, und zu denen zähle ich mich durchaus selbst, aufgefordert, ihr Erbe einzufordern.

    Dass die Zitate erst heute anlässlich des Festaktes zu Helmut Kohls 80. Geburtstag veröffentlicht worden, lag nicht in meiner Hand. Wäre die Anfrage anlässlich des Geburtstages eingegangen, hätte ich zumindest an erster Stelle gratuliert. Und natürlich hätte ich Helmut Kohl als den großen Europäer gewürdigt, der er war und ist. An der Kritik am oben beschrieben Ehrenkult als auch an den Versprechungen von “blühenden Landschaften” hätte das aber nichts geändert. Denn diese klingen bis heute bei vielen Menschen wie Hohn in den Ohren, die noch 1990 ihren Arbeitsplatz verloren haben und bis heute keine Arbeit mehr gefunden haben. Diese Verbitterung der Betroffenen darf man nicht einfach mit Hinweisen auf sanierte Häuser und flächendeckende Glasfaserverkabelung etc. abtun.

    Aber um keinen Zweifel aufkommen zu lassen: die deutschen Einheit war ein Glücksfall in der Geschichte, von dem nicht nur wir Deutsche, sondern ganz Europa und die Welt profitiert haben.
    Erkämpft haben diese Einheit aber die Menschen auf der Straße.

    Und finanziert haben wir sie alle gemeinsam – denn den berühmten “Soli” zahlen alle ArbeitnehmerInnen, Ost wie West.

    Antworten
  11. Karl-Bolko Lesser5. Mai 2010

    Steffi bleib so!! Natürlich ist einiges besser geworden in den letzten 2 Jahrzehnten, aber auch eine ganze Menge schlechter. Die Arbeitslosigkeit z.B. ist viel höher, als im Westen, manche Gebiete sind versorgungsmäßig unterentwickelt. Früher konnten sich die Menschen keinen Porsche kaufen, weil sie dafür Devisen brauchten, heute geht es nicht, weil sie weniger verdienen! Die Menschlichkeit hat sich der Ellenbogen-Gesellschaft des Westens angepaßt.
    Grüße aus der bayerischen Rhön
    Karl-Bolko

    Antworten
  12. Matthias5. Mai 2010

    Sehr gute Kritik und notwendig! Ich finde es höchst anmaßend, wenn der Fall der Mauer und die Wiedervereinigung einem einzigen Menschen zugeschrieben werden. Das waren Zehntausende, die daran mitgewirkt haben! Die Wiedervereinigung ist Helmut Kohl in den Schoß geplumpst.

    Antworten
  13. Micha Rittmeier5. Mai 2010

    Liest man hier die Kommentare, versteht man Heiner Müllers Satz: „Natürlich sind zehn Deutsche dümmer als fünf Deutsche.“ Helmut Kohl ist von der Geschichte begünstigt viele Jahre Kanzler gewesen. In seine Ära fallen neben der Vereinigung Entscheidungen, die Deutschland ökonomisch und ökologisch belasteten. Als er 1998 abgewählt wurde, sprach man weltweit von der German Disease, von einem lethargischen Deutschland, was insofern ganz ironisch ist, weil in der klassischen Medizin die “deutsche Seuche” landläufig und hierzulande französisch genannt wurde. Wer sich zudem einen Abgang am Rande der Legalität organisiert, wie Kohl es tat, darf sich nicht wundern, wenn es Menschen gibt, die ihm nicht huldigen. Auch nicht an seinem 80. Geburtstag.

    Antworten
  14. Chris6. Mai 2010

    Sie sind einfach unverbesserlich.
    Ihr hier geposteter Kommentar ist für jeden Bürger der alten Bundesländer ein Schlag ins Gesicht. Ich sehe in den neuen Bundesländern durchaus blühende Lanschaften, während meine nordhessische Heimat nach und nach verfällt.
    Vergessen Sie bitte nicht, dass wir Westdeutschen hauptsächlich für den Aufbau Ost verantwortlich sind.

    Antworten
  15. Ralph Hoffmann7. Mai 2010

    Kohl zu vergöttern ist völlig überflüssig. Ja, er hat zur Wiedervereinigung viel beigetragen. Ja, er hat ein Gespür gehabt, die richtigen Schritte zur richtigen Zeit zu tun. Es könnte aber einfach auch Glück gewesen sein, wo zudem eh das deutsche Volk gerade in einem Glücksrausch war. Kohl hat aber im gleichen Maß das deutsche Volk verkohlt, indem er von den blühenden Landschaften faselte, was ich damals schon als falsch erkannte, ohne dessen Wissen zu haben, und indem er verschwieg, dass die Wiedervereinigung wesentlich mehr Geld kosten und zu Lasten vieler Menschen gerade im Osten gehen wird. Wer die eine Seite der Medaille beschreibt, darf die andere nicht vergessen. Kohl ist nicht der Ausnahmepolitiker. Dazu hat er zu viel Schlechtes über uns gebracht. Und wenn man schon Kohl über den schwarzen Klee lobt, dann muss man auch so fair sein, und einen Willy Brandt erwähnen, der mit Sicherheit mehr zur europäischen Einigung geleistet hat, als ein Kohl. Vor Brandt gehört sich der “Kniefall”, nicht vor Kohl.

    Zu erwähnen ist dann auch, dass die Grünen eindeutig Position bezogen hatten, als sie sich damals beim Besuch in der DDR nicht vom Verbrecher Honecker vereinnahmen ließen. Und man darf nicht vergessen, dass viele von denen, die wirklich für den Fall der Mauer gesorgt haben, also die engagierten Bürgerinnen und Bürger selbst, nicht bei der Kohl-Partei gelandet sind, sondern bei den Grünen. Warum wohl?

    Antworten
  16. nucki16. Mai 2010

    Auch ich bin Westdeutscher,
    Frau Lemkes Ansicht ist für mich kein Schlag ins Gesicht sondern völlig richtig.
    Sollte es manchem entgangen sein: Es gab übrigens Willi Brandt, Michail Gorbatschow und diejenigen DDR-Bürger, die für Ihren Kampf gegen das Regiem mit Leib und Freiheit bezahlt haben.

    Antworten

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