Steffi Lemke erklärte gegenüber dem Tagesspiegel vom 28.02.2010, dass “das Beispiel Rüttgers offenbar kein Einzelfall in der CDU ist”, wie die neuen Erkenntisse über die Sponsoren-Praxis um den sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich vermuten lassen.
Sachsen-CDU vermietete Tillich
Berlin – Generalsekretär Michael Kretschmer bestätigte am Samstag entsprechende Medienberichte, Parallelen mit der „Sponsoring-Affäre“ in NRW wies er jedoch zurück. „Das ist grundsätzlich anders“, sagte er. Der Preis, den Unterstützer zum Beispiel bei einer Veranstaltung namens „Denkfabrik Sachsen“ am kommenden Montag zahlten, richte sich ausschließlich nach dem Umfang der Präsentation. Jeder, der einen Stand habe, bekomme auch Besuch vom Landesvorsitzenden Stanislaw Tillich. Exklusive Gespräche habe man jedoch nie angeboten. „Dass man da bei allen vorbeigeht und sie begrüßt, ist doch eine Selbstverständlichkeit und gehört zum guten Ton“, sagte Kretschmer der Deutschen Presse-Agentur. Einen Rundgang, der zudem in aller Öffentlichkeit stattfinde, habe es bislang immer gegeben. Zudem werde Tillich in seiner Eigenschaft als Landesvorsitzender und nicht als Ministerpräsident angekündigt. Künftig werde man mit den Standbesuchen aber nicht mehr werben.
Das Magazin „Spiegel“ berichtete von vierstufigen Sponsoring-Angeboten bis zu einem Preis von 8000 Euro. Ab Stufe drei sei ein Gespräch mit Tillich enthalten. Kretschmer sagte, dies liege daran, dass erst diese Stufe eigene Stände beinhalte. Ohne Stand gebe es keine Besuche von CDU-Landeschef Tillich.
Die Grünen kritisierten das Angebot scharf. „Das Beispiel Rüttgers ist offenbar kein Einzelfall in der CDU“, sagte Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke. Die Praxis, exklusiven Zugang gegen Geldleistungen anzubieten, scheine in der CDU Methode zu haben.Es sei „erschreckend, wie nonchalant die CDU die Position eines Landes-Ministerpräsidenten zum Vorteil der Partei nutzt und dabei vor allem ihrer zahlungskräftigen Klientel zu Diensten ist“. Vor diesem Hintergrund sei es „völlig unglaubwürdig,“ dass die CDU-Landeschefs Rüttgers und Tillich von dieser Praxis nichts gewusst haben wollten. dpa/hmt
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 28.02.2010)
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