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31Jul

„Idioten, die Ironie nicht verstehen“

Steffi Lemke äußert sich in einem Handelsblatt-Online-Artikel zum Prominentenspot gegen Wahlmüdigkeit, der im Netz auftauchte:

Vor gut einer Woche war im Internet ein Spot aufgetaucht, in dem Schauspieler und Sänger, aber auch Tagesschau-Chefsprecher Jan Hofer zum Wahlboykott aufriefen. Heute nun folgte die eigentliche Botschaft: „Geh’ wählen!“. Außerdem zeigten sich Macher und Darsteller des Clips überrascht über so viele „Idioten, die Ironie nicht verstehen.“

Regisseure Detlev Buck stolpert in die Szene. „Maischberger, jetzt sag doch mal, was Du wirklich denkst!“, sagt er. Talkmasterin Sandra Maischberger kichert. „Du willst doch jetzt nicht von mir wissen, warum ich wählen gehe?“, fragt sie und antwortet dann: „Na, weil es beschissen ist, nicht wählen zu gehen.“ Endlich – die Botschaft ist verkündet.

Die Szene gehört zu einem Spot, der auf die Wahlmüdigkeit aufmerksam machen will. Seit dem heutigen Dienstag ist er auf der Video-Plattform You Tube zu finden. Reichlich spät, wie mache Kritiker finden. Denn vor etwa einer Woche war bereits ein erstes Video im Internet aufgetaucht, in dem etwa Filmfiesling Claude-Oliver Rudolph, Komiker Mike Krüger, Star-Koch Ralf Zacherl, aber auch Tagesschau-Chefsprecher Jan Hofer verkünden, dass sie bei der Bundestagswahl ihre Stimme nicht abgeben werden. „Geh nicht hin!“, beschwören die Promis den Zuschauer am Ende sogar.

Zwar klärte sich schnell auf, dass der Clip nach dem Vorbild des US-Wahlkampfs eigentlich die Politikverdrossenheit anprangern sollte. Als Initiatoren gaben sich der Think-Tank Politik-digital und die Produktionsfirma von Friedrich Küppersbusch zu erkennen. Dass die Ironie des Spots bei vielen der bislang rund 100 000 Zuschauer jedoch gar nicht anzukommen scheint, darauf lassen die Nutzerkommentare auf You Tube schließen. Den Machern fiel das offenbar auch auf. Denn nach einigen Tagen erschien beim Starten des Spots eine kurze Einblendung: „Fortsetzung folgt“.

Diese wurde nun in Berlin der Öffentlichkeit präsentiert, auf einem „kleinen Kindergeburtstag des viralen Marketings“, wie TV-Produzent Küppersbusch es ausdrückte. Dort zeigten sich die Macher und Darsteller überraschend überrascht über so viele „Idioten, die Ironie nicht verstehen.“ Doch nun ist die zweite Version des Spots im Internet unterwegs. Und die ist eindeutig. „Geh’ wählen“, appelliert darin Star-Geigerin Anne-Sophie Mutter. „Geh’ hin“, sagt Schauspielerin Natalia Avelon. Und Jan Hofer ist auch wieder mit von der Partie. „Geh’ hin“, darf Mister Tagesschau dieses Mal sagen.

Zweiter Spot: Geh nicht hin! Der Film

Den Wirbel um den ersten Spot, der nur zum Wahlboykott aufruft, nehmen die Initiatoren mit Verwunderung zur Kenntnis. Und sie beteuern, das zweite Video wäre schon fertig gewesen, als das erste veröffentlicht wurde. Es handele sich keinesfalls um eine Reaktion auf die Kritik. Es sei eben schwer, möglichst viele Nischen der Gesellschaft zu erreichen, sagte Stefan Gehrke, Geschäftsführer von Politik-digital, dem Handelsblatt. „Das darf dann im ersten Schritt ruhig schon mal etwas provokativ sein.“ Das Resultat findet er „sehr gut gelungen“.

Die Schuldigen an der Wahlmüdigkeit haben die Macher des Spots auch ausgemacht: die Parteien. Während es in den USA gelungen sei, Wähler wieder anzusprechen, die für die Demokratie verloren schienen, seien bei den deutschen Parteien „keinerlei derartige Initiativen“ zu erkennen.

Die Parteien wollen die Schelte freilich nicht auf sich sitzen lassen. „Kontrovers und aufmerksamkeitsstark für eine höhere Wahlbeteiligung zu werben ist mehr als begrüßenswert“ sagt die oberste Wahlkämpferin der Grünen, Steffi Lemke, auf Anfrage. „Aber die Macher sollten bedenken, dass undifferenzierte Parteienschelte kein Weg ist, das Vertrauen in Demokratie zu stärken.“ FDP-Kampagnenplaner Hans-Jürgen Beerfeltz gibt zwar zu, dass Wahlmüdigkeit die Schuld der Parteien sei. Doch alle suchten derzeit nach neuen Formen der Partizipation jenseits der Mitgliedschaft. Er könne „mit Stolz“ auf die FDP-Wahlkampfplattform „Mitmacharena“ im Internet verweisen, auf der schon 23 000 Bürger organisiert seien.

Gegen Ende der Spot-Präsentation ergreift Tagesschau-Sprecher Jan Hofer das Wort: Er hoffe, dass der zweite Spot genauso viel Zuspruch erhält wie der erste mit dem Wahlboykott. „Sonst hätten wir falsch gelegen.”

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Verfasst am 31.07.2009 um 13:01 Uhr von .
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Kommentare

  1. Sabine Engelhardt31. Juli 2009

    Ist natürlich ‘ne tolle Idee, Kritiker an der eigenen Kampagne einfach mal als Idioten abzustempeln, statt drüber nachzudenken, ob man nicht vielleicht doch ein wenig zu tief ins Klo gegriffen haben könnte. Damit machen sich die Initiatoren der Kampagne ganz besonders beliebt.

    Gruß, Frosch

    Antworten
  2. Hauke Laging31. Juli 2009

    Tja, Steffi, wie gut kämen wir denn bei einer differenzierten Betrachtung weg? Also insgesamt, nicht beschränkt auf Vorreiterbezirke wie Steglitz-Zehlendorf… ;-)

    Antworten
  3. olli31. Juli 2009

    “wer nicht wählen geht, gibt seine Stimme den Casinokapitalisten”

    ist meine Meinung!

    es gibt einen Grund, für diese (Teil-)Lethargie – und der ist richtig schlimm.

    ich bitte euch: hinterfragen – hinterfragen!
    und das ist richtig arbeit – besonders für die ganz oben..

    dass Promis zum nichtwählen aufrufen, könnte einen
    bestimmten Grund haben..

    Antworten
  4. olli31. Juli 2009

    oops! – oder wer auch immer :]

    Antworten
  5. Reinhard24. September 2009

    Also bei Plasberg sind Sie mir total unsympathisch geworden. Unfreundlich – Wähler abhaltend, deshalb keine Stimme den Grünen

    Antworten
  6. Richard25. September 2009

    Reinhard, ich glaube Sie verwechseln da ‘ irgendwas ‘ ; wenn Unsicherheit, Argumentationslosigkeit und ‘ wegducken ‘ angesagt ist, dann entsteht ein Verhalten wie es Pofalla, Niebel und Dobrindt präsentiert haben ! Argumentationen durch massives hineinreden im Ansatz ersticken ! Aber wer hätte was Anderes erwartet ?! Tolle Kerle sind’s !; zukunftsweisende Ansätze habe ich ohnehin von ihnen nicht erwartet, sie haben nichts verstanden !

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