Mit Aigners halbherziger Politik ist es nicht getan. Dem Genmais-Verbot müssen weitere Schritte folgen, fordert die grüne Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke.
Verbraucherschutzministerin Aigner hat den Anbau der gentechnisch veränderten Maissorte MON 810 in Deutschland verboten. Ist die CSU jetzt auch gegen Gentechnik?
Bei der CSU weiß man nie genau, wo sie gerade steht. Man darf nicht vergessen, dass die jetzt verbotene genmanipulierte Maissorte MON 810 von einem Landwirtschaftsminister namens Horst Seehofer zugelassen wurde. Das war damals eine seiner ersten Amtshandlungen. Dass die CSU nun grundsätzlich gegen Gentechnik ist, wage ich noch zu bezweifeln. Im Moment macht die CSU doch nur Politik nach Umfragen – und da waren die Ergebnisse eindeutig: Die Verbraucher wollen keine Gentechnik im Essen und auch nicht auf den Äckern!
Ist durch diese späte Entscheidung bereits ein Schaden für Landwirte und Verbraucher entstanden?
Die Entscheidung war überfällig. Es gab schon lange genug Gründe, MON 810 zu verbieten. Etwa Verunreinigungen, die zu Schädigungen anderer Landwirte führten, wie bei bayerischen Imkern, deren biologisch angebauter Honig durch angrenzende MON-810-Pollen verunreinigt wurde. Diese Bauern, die gentechnikfrei produzieren wollten, konnten ihren Honig nicht mehr verkaufen. Bienen kennen eben weder Zäune noch eine Abstandsgrenze von 100 Metern. Für diese Bauern ist das Verbot eine besonders gute Nachricht.
Wie geht es weiter? Welche genmanipulierten Produkte wollen die Genkonzerne als nächstes auf den Markt werfen?
Im Augenblick stehen zwei Sorten genmanipulierter Maissorten vor der Neuzulassung durch das Europäische Parlament. Das kann man noch stoppen. Wir erwarten von Frau Aigner nicht nur symbolische Verbote in Deutschland, sondern auch, dass sie sich in Brüssel Verbündete sucht und die Zulassung aller gentechnisch veränderten Maissorten stoppt.
Gibt es bereits genmanipulierte Lebensmittel in unseren Supermärkten?
Leider gibt es viele Lebensmittel, die mit gentechnisch veränderten Produkten hergestellt werden. Soja ist ein Produkt, das zu großen Anteilen aus gentechnisch verändertem Anbau stammt. Aber auch Kindernahrung ist davon betroffen. Allerdings ist niemand hilflos. Wer Bio-Lebensmittel kauft, ist auf der sicheren Seite. Bio-Hersteller produzieren ohne Gentechnik und ohne Chemie. Außerdem gibt es seit Mai 2008 das Label “Ohne Gentechnik”.
Was sollte eine verantwortungsvolle Bundesregierung als nächstes tun, um die Ausbreitung der Grünen Gentechnik zu stoppen?
Zum Ersten sollte sie eine klare Linie entwickeln. Wenn ich jetzt höre, dass die CDU-Fraktion Ministerin Aigner kritisiert, mache ich mir Sorgen um die Realisierung des Zieles, die europäischen Äcker von Gentechnik freizuhalten. Die Regierung sollte dafür sorgen, dass es nicht zu Neuzulassungen kommt und zu diesem Verbot auch stehen.
Außerdem muss sie für Transparenz und Aufklärung sorgen. Sie muss den Biolandbau stärken und die Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Lebensmittel konsequenter umsetzen. Sie könnte mit Fördermitteln und Öffentlichkeitsarbeit viel mehr über die Risiken der Gentechnik aufklären.
Und in Europa?
… muss die Bundesregierung sich an die Seite der Länder stellen, die dem Einsatz von Gentechnik auf den Äckern skeptisch sehen. In anderen Ländern gibt es Einfuhrverbote für MON 810, die jetzt auf europäischer Ebene gekippt werden sollen. Das muss die Bundesregierung verhindern. In Österreich sind 80% der produzierten Milch bereits mit dem Label “gentechnikfrei” versehen. Da ist Deutschland noch immer Entwicklungsland. Die Regierung muss gentechnikfrei produzierenden Bauern viel stärker unterstützen und ihnen den Rücken stärken gegen international agierende Gentechnik-Konzerne. Da gibt es viel Spielraum.
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